Toter Fisch

Noch immer ist unklar, was das Fischesterben in der Oder auslöste. Doch die Zahlen sind brisant, die Lage dramatisch. Fest steht, dass es zu einer Katastrophe gekommen sein muss, an welcher der Mensch beteiligt ist. Die Berliner Zeitung sprach mit Christiane Schröder, der Geschäftsführerin des NABU-Brandenburg.

Bis zu zehn Tonnen Fisch wurden bereits aus dem Fluss geborgen. Auf die Frage nach den möglichen Ursachen, teilte die Umweltschützerin mit: „Das wüssten wir, glaube ich, alle gern. Die ersten toten Fische sind ja in Polen aufgetaucht. Leider halten sich die polnischen Behörden extrem bedeckt, was auf deren Seite passiert ist. Wir stochern gerade noch, im wahrsten Sinne des Wortes, im trüben Wasser. Was wir wissen, ist: Es gibt ein dramatisches Fischsterben, aber das ist nur der Gipfel des Eisberges. Unter Wasser wird alles Leben zerstört, zum Beispiel Muscheln, Insektenlarven, Krebse und so weiter. Aber wie groß das Ausmaß des Sterbens wirklich ist, können wir im Moment noch gar nicht ermessen.“

Zu den bisherigen Ermittlungen und Recherchen teilte sie mit: „Es gibt verschiedene Spekulationen dazu. Aber eins ist sicher: Das was wir an der Oder gerade sehen, muss durch menschlichen Einfluss geschehen sein. Erst hieß es ja, dass es ein Benzol war, eine chemisch-organische Substanz, die ins Wasser gelangt sei. Das hätte schon dramatische Auswirkungen. Jetzt haben die Behörden aber offenbar auch Quecksilber im Wasser festgestellt. Das wäre der absolute Super-GAU.“ Weiter: „Quecksilber ist ein extrem giftiger Stoff. Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass es früher mal Thermometer gab, die mit Quecksilber funktionierten. Die gibt es jetzt nicht mehr, weil der Stoff so hoch toxisch ist. Es baut sich nicht einfach ab, sondern bleibt über Jahrhunderte in der Natur. Es reichert sich in den Nahrungsketten an, das heißt, wenn Vögel oder Fischotter jetzt die toten Fische fressen, werden sie ebenfalls sterben. Und gerade können wir noch gar nichts darüber sagen, wie hoch die Konzentration in der Oder wirklich ist, weil sie völlig außerhalb jedes Erwartungswertes liegt. Die Schwellenwerte für Quecksilber sind sehr niedrig. Im Trinkwasser darf überhaupt keins sein und auch im Fluss erwartet man das nicht.“

Die Folgen des massenhaften Fischsterbens in der Oder werden nach Einschätzung von Brandenburgs Umweltminister, Linksextremist Axel Vogel, noch jahrelang zu spüren sein. „Für die Oder als ökologisch wertvolles Gewässer ist das ein Schlag, von dem sie sich mehrere Jahre vermutlich nicht mehr erholen wird“, sagte der Grünen-Politiker am Freitag in Schwedt bei einem Besuch in der Region. Die Fischbestände müssten erst langsam neu aufgebaut werden.

„Wenn auch das Zooplankton, also die kleinen Lebewesen in der Oder, geschädigt sind – und davon ist auszugehen -, dauert es einen langen Zeitraum, bis überhaupt das Futter für die Fische wieder in ausreichendem Ausmaß in der Oder zu finden ist.“ Eine ernsthafte Gefährdung der Ostsee durch giftige Substanzen, die über den Fluss dorthin gelangen könnten, sieht Vogel dagegen nicht: „Ich würde erstmal davon ausgehen, dass, was immer sich auch in der Oder gerade befindet, so weit verdünnt wird, dass es in der Ostsee keinen Schaden mehr anrichten wird.“

Allerdings gibt es dazu noch keine verlässlichen Erkenntnisse: „Unser Problem ist, dass wir nach wie vor im Dunkeln tappen, dass wir also nicht wissen, welche Stoffe tatsächlich in die Oder eingebracht wurden“, sagte Vogel. „Wir haben Hinweise von polnischer Seite, dass um den 28. Juli bei Oppeln, also in der Nähe von Breslau, Stoffe in die Oder gelangten, die dort ein Fischsterben ausgelöst haben, das sich die Oder bis zu uns hinuntergewälzt hat.“

Allerdings gebe es keine klaren Informationen dazu, welche Stoffe das genau seien. „Und wir haben auch keine Erkenntnisse darüber, inwieweit sich diese Stoffe in den Fischen angereichert und möglicherweise dazu geführt haben, dass diese Fische giftig sind.“ Das könnte dann auch andere Tiere, etwa Störche oder Greifvögel, betreffen, wenn sie solche Fische fressen sollten.

„Wir wissen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, ob diese Fische als Sondermüll zu deklarieren sind“, sagte Vogel. „Je nachdem müssen dann unterschiedliche Entsorgungswege gewählt werden. Aber es ist völlig klar, es muss zu einer Entsorgung kommen.“ Dafür müssten Personal und zum Beispiel auch entsprechende Container für den Abtransport der toten Fische bereitgestellt werden.

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