Der frühere Oberst im Generalstab, Berlins AfD-Fraktionschef Georg Pazderski, hat die chaotische Entwicklung in Afghanistan ausgewertet und kommentiert:

„Nach fast 20 Jahren geht der verlustreichste Einsatz der Bundeswehr zu Ende. Genauso überhastet wie man 2001 in den Einsatz hineingestolpert ist, stolpert man jetzt wieder heraus. Die Bilanz: 59 tote Soldaten, von denen 35 im Kampf gefallen sind, viele tausend Soldaten, die an den Folgen dieses Einsatzes physisch und psychisch leiden und noch lange leiden werden. Ein mittlerer zweistelliger Milliardenbetrag wurde in den Sand gesetzt, wobei die endgültigen Kosten, auch aufgrund der zurzeit nicht absehbaren Folgenkosten, schwer zu ermitteln sein werden. Der Reputationsverlust des Westens als verlässlicher Partner nicht nur in der Dritten Welt ist fatal.

Was hat man erreicht? Die Gesamtlage in Afghanistan hat sich gegenüber 2000 deutlich verschlechtert: Den Taliban fällt die Macht praktisch kampflos wie eine reife Frucht in den Schoß, sie können fast ohne Widerstand die Scharia einführen. Das Land ist immer noch der größte Opiumproduzent der Welt, Frauen und Mädchen werden unterdrückt, Homosexuelle ermordet. Versucht man dem Einsatz etwas Positives abzugewinnen, bleibt nur der Versuch des Westens, Afghanistan nach 9/11 als sicheren Rückzugsort für den internationalen Terrorismus auszuschalten. Die Absicht war nachvollziehbar, der Versuch ist allerdings gescheitert, weil Pakistan sehr schnell dieses Vakuum ausgefüllt hat und absehbar ist, dass die Taliban den Terrorkampf gegen den Westen wieder unterstützen werden. Dass der radikale Islam in Afghanistan wieder triumphiert, ist kein Zufall. 99% der Afghanen, so das Ergebnis einer internationalen Umfrage des PEW Research Center, begrüßen die Scharia. Angesichts dieser Zahl fragt man sich, was zwanzig Jahre westliche „Demokratieförderung“ in Afghanistan eigentlich bewirkt haben.

Das Scheitern des Westens in Afghanistan war abzusehen. Wer sich mit der Geschichte des Landes und der Region beschäftigt hat, weiß, dass bisher alle Interventionen gescheitert sind. Die Gründe sind vielfältig. Sie liegen u.a. in der heterogenen Zusammensetzung der Bevölkerung aufgrund der willkürlichen Grenzziehung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der archaischen Kriegerkultur, der mittelalterlichen Religion, der Geographie des Landes. Hinzu kommen eklatante Fehler des Westens. Beginnend mit dem zum Scheitern verurteilten überheblichen Glauben des Westens, Afghanistan nach den eigenen Vorstellungen umformen zu können, wurde niemals ein Kriegsziel, was man eigentlich in Afghanistan erreichen will, definiert.

Wie geht es weiter? Zunächst gilt es die Evakuierungsoperationen für deutsche Staatsbürger und jene Afghanen, die die Bundeswehr als Dolmetscher, Hilfskräfte etc. unterstützt haben, erfolgreich durchzuführen und abzuschließen. Das darf aber kein Freibrief für jeden Afghanen sein, der seine Lebensbedingungen verbessern will, unter dem Vorwand politisch unterdrückt zu werden, nach Europa zu migrieren. Die Flüchtlingsbewegungen in Richtung Europa und Deutschland müssen gezielt unterbunden werden, indem man grenznahe Auffanglager einrichtet, die den Flüchtlingen ein temporäres menschenwürdiges Dasein garantieren. Nur so kann weiterer Schaden durch die hilflose Politik einer überforderten Bundesregierung abgewendet werden.“

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