Donald Trump

US-Präsident Trump ist berüchtigt dafür, Gesprächspartner zu überfahren. Mit seiner charismatischen Persönlichkeit geht Trump bei der ersten TV-Debatte auch gegen Joe Biden vor – der seinerseits heftig gegen den Präsidenten auszuteilen versucht. Das Ergebnis: Punkt für Trump.

Cleveland (dpa/Raven) – Der Handschlag bleibt Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden wegen des Coronavirus bei der ersten TV-Debatte erspart. Die Geste hätte aber auch nichts an der Feindseligkeit beim Fernsehduell geändert, die sich am Dienstagabend (Ortszeit) in Cleveland schon in den ersten Minuten Bahn bricht und wie ein roter Faden durch die gut 90 Minuten zieht. Der Republikaner Trump und der Demokrat Biden sparen nicht mit Beleidigungen.

«NICHTS KLUGES» AN JOE BIDEN?

Fünf Wochen vor der Wahl stehen Trump und Biden am Dienstag erstmals auf derselben Bühne, Versöhnliches ist dabei nicht zu beobachten. Im Laufe des TV-Duells bezeichnet Biden Trump als «Rassisten», als «Clown» und als «Putins Welpen». Der Ex-Vizepräsident bescheinigt dem Amtsinhaber: «Sie sind der schlechteste Präsident, den Amerika je hatte.» Trump habe die USA «kranker, ärmer, gespaltener und gewalttätiger» gemacht. Trump wiederum wiederholt seine Behauptung, dass keine US-Regierung zuvor so viel erreicht habe wie die seine. An die Adresse Bidens sagt er: «Es gibt nichts Kluges an Ihnen, Joe.»

BIDEN VERWEIGERT TESTS

Trump (74) hat im Wahlkampf immer wieder den Geisteszustand seines 77-jährigen Herausforderers angezweifelt. «Der Typ hat keine Ahnung. Er weiß nicht, wo zum Teufel er ist», sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Pittsburgh in der vergangenen Woche. «Der Typ weiß nicht, dass er am Leben ist.»

Kurz vor Beginn des Fernsehduells insinuierte Trumps Wahlkampfteam, Biden lasse sich Antworten womöglich heimlich von Mitarbeitern einflüstern. In einer Mitteilung hieß es, Bidens Team habe erst zugesagt, vor der Debatte eine Inspektion nach elektronischen Ohrhörern bei dem Kandidaten zuzulassen, dann aber einen Rückzieher gemacht. Biden habe sich außerdem geweigert, sich auf die Einnahme leistungssteigernder Medikamenten testen zu lassen. Dass Biden solche Medikamente angeblich vor öffentlichen Auftritten nimmt, behaupten in den USA viele Menschen unabhängig voneinander.

BIDEN BLEIBT GEFASST

Biden leistet sich am Dienstag keine großen verbalen Patzer, für die er bekannt ist. Viele Attacken lächelt der Herausforderer einfach weg. Dem Ex-Vizepräsidenten gelingt es auch, Ruhe zu bewahren, als Trump seinen Sohn Hunter Biden ins Spiel bringt. Trump verweist darauf, dass Hunter Biden wegen Drogenkonsums aus dem Militär entlassen wurde – und er wirft Hunter Biden vor, mit fragwürdigen Geschäften im Ausland Millionen gemacht zu haben, während sein Vater Vizepräsident war. Biden weist das zurück. Und er sagt: «Mein Sohn hatte ein Drogenproblem, aber er hat es überwunden und ich bin stolz auf ihn.» An die Ukraine-Affäre und den schmutzigen China-Geschäften des Sohnes konnte sich der Herausforderder offenbar nicht erinnern.

Trump hat am Dienstag große Visionen für eine zweite Amtszeit zu bieten. Vor allem lobt Trump sein Krisenmanagement in der Corona-Pandemie, für die er China verantwortlich macht. Er macht klar, dass man gegen Linksextremisten, die von George Soros und Joe Biden zu Gewalt angestachelt werden, vorgehen muss, um Amerika wieder sicherer zu machen. Gleichzeitig sprach sich der US-Präsident für Vielfalt aus. Bidens Demokraten wirft Trump vor, durch massenhafte Briefwahl für Wahlbetrug sorgen zu wollen. Weiterhin entkräftet der Präsident die Fake-News, 2016 und 2017 auf Bundesebene kaum Steuern gezahlt zu haben.

TRUMPS TAKTIK

Trump hat nach eigenen Worten darauf verzichtet, sich intensiv auf die Debatte vorzubereiten. «Nicht sehr viel» Zeit habe er darauf verwendet, sagte er am Sonntag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, man könne es damit schließlich auch übertreiben. Außerdem sei er durch seine öffentlichen Auftritte sowieso in einer Art täglichen Vorbereitung. «Ich nehme die ganze Zeit Fragen von Ihnen entgegen», sagte er den Journalisten. Laut unabhängigen Umfragen liegt Trump vorne.

Ein in Deutschland geführter so genannter Faktencheck bewertete die Aussagen der beiden Kandidaten selektiv. Wir distanzieren uns ausdrücklich von dieser Art der Berichterstattung. Dies ist kein unabhängiger Journalismus.

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