GazaGaza, Krieg

Gestern kam die Behauptung auf, dass die Hamas 40 Babys enthauptet hätten. Sofort stürzten sich alle Medien darauf, beginnend mit den Fakenews-Magazinen Apollo-News, Nius.de und BILD. Dabei wird vollkommen außer Acht gelassen, dass im Krieg Propaganda betrieben wird, um die Menschen zu emotionalisieren und den Feind zu verteufeln. Eine wahllose Übernahme von diesen Behauptungen, ohne zumindest auf mögliche Propaganda zu verweisen, ist kein Journalismus, sondern selbst Propaganda.

Foto: Bild von hosny salah auf Pixabay, Symbolbild

Ich streite es nicht ab, dass es durchaus sein könnte, dass der beschriebene Vorgang mit den 40 Babys sich so ereignet haben könnte. Bisher gibt es dazu aber keinen einzigen Beweis, den man aber sicherlich zur Untermauerung seiner Aussagen erbringen würde. Das passierte aber nicht. Nun häufen sich die Indizien dafür, dass das Ereignis gar nicht stattfand.

Der israelischen Armee liegen keine Informationen vor, die die Behauptungen bestätigen, dass „die Hamas Babys enthauptet hat“, sagte ein Sprecher der israelischen Armee gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu.

Ein israelischer Nachrichtensender (i24 News) behauptete am Dienstag, dass der bewaffnete Flügel der Hamas, die Kassam-Brigaden, während des Überraschungsangriffs am frühen Samstagmorgen auf israelischer Seite „viele israelische Babys enthauptet“ hätten.

Als Anadolu den Sprecher der israelischen Armee telefonisch kontaktierte und nach den Vorwürfen fragte, sagte sie: „Wir haben die Nachrichten gesehen, aber wir haben keine Details oder Bestätigungen dazu.“ Dagegen werden auf X (ehemals Twitter) Videos von Israels Vergeltungsschlag geteilt. Darunter befindet sich auch ein Video, wie die Opfer von Israels Angriff ein totes Baby aus den Trümmern bergen. Kommentar von vielen Menschen mit Ukraine-Flagge im Twitter-Profil: „Da hat Israel überhaupt keine Schuld, dass sich die Hamas hinter Zivilisten verstecken.“ Komisch ist bei dieser „Argumentation“: Die selben Profile haben vor eineinhalb Jahren noch anders argumentiert, als Russland Siedlungen beschoss, wo sich ukrainische Soldaten versteckten. Es wird klar ersichtlich, hier geht es um Ideologie, nicht um Fakten. Zumal keine Kritik an der Behauptung zulässig erscheint. Bei den Hinweis auf mögliche Propaganda, fehlende Beweise und einen Querverweis zur Brutkastenlüge wurden unseren Redakteuren Sätze an den Kopf geworfen wie: „Geh auf der Autobahn spielen“ oder „Richte dich doch bitte selbst.“ Diese Aussagen stammen einerseits von genau jenen Profilen, die sonst immer für Demokratie und gegen Hass und Hetze zu kämpfen vorgeben (oder müsste man sagen: vorzutäuschen?), zum Anderen aber auch aus nationalen und konservativen Lagern.

Symbolbild

Wie oben beschrieben haben sogar Apollo-News und Nius.de davon berichtet. Und zwar unreflektiert. Klicks sind alles. Und die Masse folgt. Corona überstanden, sich bei der Ukraine nicht täuschen lassen, jetzt sind aber fast alle vom Israel-Konflikt geblendet und unkritisch. Nur ganz wenige trauen sich, etwas Anderes zu sagen.

Israel hat keine ähnliche Tour für seine eigenen Journalisten organisiert, was den Fokus des Landes auf die Gestaltung globaler Wahrnehmungen unterstreicht. Der Ansatz zieht Parallelen zu den angeblichen russischen Aktionen in der Ukraine im April 2022, als der Vorort Bucha von russischen Streitkräften erobert wurde, woraufhin Journalistentouren Licht auf angebliche russische Kriegsverbrechen gegen Anwohner werfen. Bisher ergeben alle Indizien, dass ein besagtes Massaker von Bucha niemals stattgefunden hat. Selbst das Bundeskanzleramt musste nach blinder Verurteilung des vermeintlichen Massakers nach Ignorieren unserer Presseanfrage vor Gericht zugeben, dass sie gar nichts wüssten.

Während Apollo-News, über die wir mehrfach wegen Fehlens journalistischer Standards und nachweislichen Falschnachrichten berichtet haben, lediglich die Behauptung in den deutschsprachigen Raum transportierte und das X-Video der i24 News-Reporterin Nicole Zedek teilte, gingen Nius.de und BILD noch einen Schritt weiter. Diese posteten Bilder von den Greuln, die da vor Ort passiert sein sollen und mit Sicherheit auch sind. Doch von Babys ist da nichts zu sehen. Zwar sind blutverschmierte Babywippen und Babykleider zu sehen, doch keine sonstigen Hinweise. Keine Kinderzimmer (außer weniger präsentierter Gegenstände, die alle zufällig blutverschmiert sind, keine Babyleichen, keine Aussagen von Verwandten, keine Fotos. Jetzt teilt sogar die israelische Armee mit, dass ihr keine Kenntnisse über so einen Vorfall vorlägen. Die Bilder verwenden Nius.de und BILD reichlich. Und wie gewohnt von diesen beiden Magazinen, die sogar bei uns schon geklaut haben, ohne Quellenangabe.

Bisher gibt es eine einzige Aussage, auf die der ganze Bericht fußt. Es geht um eine Aussage des Armee-Kommandeurs David Ben Zion. Doch die Aussagen bleiben unbelegt. Während alle anderen Greul präsentiert wurden, ist von den vermeintlich enthaupteten Kindern nichts zu sehen – lediglich ein paar platziert wirkende und blutverschmierte Einzelgegenstände.

Dabei sind das nicht die einzigen Fakemeldungen, die im Netz kursieren. So gibt es Bilder aus Computerspielen und teilweise aus Filmen. Sogar Bilder, die Kinder in einem Käfig zeigen, die aber nichts mit dem derzeitigen Konflikt zu tun haben. Es geht hier nicht darum, sich auf eine Seite der Kriegsparteien zu schlagen, sondern um die Verinnerlichung der Werte, die jeder selbst denkende Geist in Bezug auf jeden Krieg haben sollte:

  1. Um was geht es in dem Krieg wirklich?
  2. Es gibt kein Gut und Böse, keine richtige und falsche Seite.
  3. Propaganda wird auf beiden Seiten betrieben – immer!
  4. Aus dem Krieg stammende Bilder sollen emotionalisieren.
  5. Der Feind soll mit allen Mittel verteufelt und entmenschlicht werden.

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Obwohl nur ein einziger Journalist mit der gelegentlichen Unterstützung zahlreicher ebenfalls freiberuflicher Kollegen und Ehrenamtler hat Stefan Raven News seit 2020 immer wieder Dinge aufgedeckt, die andere Medien erst später berichteten. Leider sehen es diese Medien nicht als angebracht an, den Erstberichterstatter (uns/mich) zu nennen, wie es im Journalismus Gang und Gebe ist. Einige haben uns sogar schon gelegentlich die Stories im wahrsten Sinne des Wortes geklaut. Das ist kein netter Umgang zwischen Kollegen.

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5 Gedanken zu „Keine Hinweise auf 40 geköpfte Babys in Kibbuz“
  1. […] Als Reaktion auf den Angriff vom Samstag verhängte Israel eine „totale Belagerung“ des Gazastreifens und stellte die Versorgung der bereits blockierten Enklave mit Nahrungsmitteln, Wasser, Strom und Treibstoff ein. Im Kibbuz Be’eri wurden laut israelischen Angaben 100 Menschen – 10 Prozent der Bevölkerung – ermordet. David Ben Zion, stellvertretender Kommandeur der Einheit 71, sagte gegenüber i24News, er habe gesehen, wie Opfer in ihren Betten erschossen wurden. Hierfür gibt es aber entgegen aller anderen Behauptungen zu Kibbuz keine Belege. […]

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