Julfest

Vom 24. bis 26. Dezember ist Weihnachten, dann kommt Silvester, man wünscht sich gegenseitig einen guten Rutsch und dann ist das neue Jahr da. So bekommen wir es beigebracht und denken, dass wir es dabei mit urdeutschen Brauchtürmern zu tun haben. Doch das sind sie so gar nicht. Denn ursprünglich war alles ein bisschen anders. Und einen guten Rutsch sollte man sich nicht wünschen. Warum das so ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Es ist sicherlich jedem Menschen heutzutage bekannt, dass Weihnachten vielerlei alte Gebräuche aus der sogenannten vorchristilichen Zeit übernommen hat. Doch auch das Datum ist von den frühen Christen nicht ganz zufällig gewählt worden. So lässt sich heute gar nicht mehr rekonstruieren, wann Jesus geboren sein soll – zumindest mit öffentlich zugänglichen Quellen nicht. Darum sagen viele Experten, dass das Fest des Geburtstags von Jesus ursprünglich an einem anderen Tag, sogar in einer anderen Jahreszeit (je nach Expertenmeinung) gelegen haben soll. Was da jetzt letzten Endes dran ist, können wir nicht sagen, zumal es sich bei den vier Redakteuren von Stefan Raven News alle samt um keine Christen handelt.

Da die „Heiden“ jedoch nach Christianisierung weiter ihre alten Riten feierten, zog man nach und nach die christlichen Feiertage auf Daten der vorchristlichen Feiertage verlegt oder zumindest in dessen Nähe platziert. So geschah es, dass man nach und nach die neuen Feiertage annahm. Schaut man sich jetzt die alten Festtage um die Wintersonnenwende herum an, dann merkt man auch ganz genau, warum Weihnachten auf diese Tage gelegt wurde.

So beginnt bereits am 8. Dezember die erste von 13 Raunächten des alten Jahres. Am 20. Dezember ist dann die Letzte und die Wintersonnenwende oder das Julfest ist gleichzeitig der erste von drei Weihetagen. Einem der Tage zwischen den Jahren. Am 24. Dezember kommt dann die Heilige Nacht (klingelt es?), die den Übergang zum neuen Jahr anzeigt. Und das neue Jahr beginnt am 25. Dezember mit der ersten von 13. Raunächten des neuen Jahres. Die letzte Raunacht ist dann am 6. Januar. Diese Tage und das Prinzip der Weihnächte kommen sicherlich allen bekannt vor, oder? So lässt sich aufzeigen, dass die Tage, die wir feiern (also nicht nur manche Bräuche) aus einer viel älteren Zeit stammen und somit viel mehr ureigene Kraft haben als die künstlich geschaffenen Bräuche der ersten Christen in Europa, unabhängig davon, wann Jesus nun Geburtstag hat.

Doch warum sollte man jetzt keinen guten Rutsch wünschen? Nachzuweisen ist dieser sicher gut gemeinte Wunsch seit dem 19. Jahrhundert. So einige machen ihre Witze darüber uns sagen dann sowas wie: „Rutsch nicht aus.“ Genau darum geht es aber. Wo kommt das eigentlich her? Es gibt da zwei Ansätze, wovon der eine deutlich wahrscheinlicher ist, als der Andere. Bei der einen Erklärung geht es darum, dass rutschen von reisen kommt und man so eine gute Reise wünscht. Doch dies scheint vielen zu weit hergeholt. Die Verwendung des Wortes gibt es zwar, aber immer mit Bezug auf eine Reise, wenn zum Beispiel sonntags irgendwohin rutscht.

Eine wahrscheinliche Antwort darauf ist, dass dies aus dem Jiddischen, bzw. Rotwelschen kommt, also aus dem Jüdischen. Hinweis daraus ergeben sich auch aus zahlreichen Werken. Es stammt demnach von „Rosch ha schana“ ab, wörtlich „einen guten Kopf (Anfang) des Jahres“. Folge dieses Wunsches war, man sollte die nächsten Tage, die auf diesem Wunsch folgten, bereuen und auf Versöhnung ausgelegt sein. Genau dieses würde man sich gegenseitig wünschen, wenn die Herleitung vom jiddischen/jüdischen her korrekt ist. Darum empfehlen wir, lieber doch auf Nummer Sicher zu gehen und ein „gesundes/erfolgreiches/glückliches neues Jahr zu wünschen“. Denn wer wünscht seinen Liebsten schon gerne reuige Tage, noch dazu jene aus einer anderen Kultur.

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