Marzahner Mühle

Heute besuchte ich Alt-Marzahn, bzw. das ehemalige märkische Angerdorf Marzahn. Heute ein Berliner Stadtteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, lässt dieser urtümliche Kern noch viel auf die Geschichte des ehemals kleinen Dorfes schließen. Gehegt und gepflegt wird der Ort heute von zahlreichen Vereinen. Verweilt man hier, lässt es einen vergessen, dass man sich in der größten Stadt Deutschlands befindet. Vom Kreuzberger Müll und dem ganzen Großstadtschickimicki findet man hier nichts. Lediglich die Plattenbauten, die den ehemaligen Dorfkern umrahmen, erinnern an die Megametropole.

Dörfliche Idylle inmitten des Großstadtdschungels von Berlin.

Ein Anger ist ein Dorfplatz. Diese Tradition geht noch auf germanische Zeit zurück. Meist ist er eine Wiese im Ortskern oder in der Nähe des Ortes, den man für Feste und Zusammenkünfte benutzte. Im ehemaligen Angerdorf Marzahn befindet sich dieser Ort in der Mitte der Ortschaft, umgeben von einer kleinen Straße in typischer Spindelform. Damals führte die Straße direkt als Fernhandelsweg nach Altlandsberg (Stefan Raven News berichtete von vor Ort). Erst Ende der 1970er Jahre, als in Marzahn durch die damalige DDR-Regierung massiv gebaut wurde (Großwohnsiedlung Marzahn), wurde der Fernverkehr umgeleitet. Seit dem Groß-Berlin-Gesetz von 1920 gehört Marzahn offiziell zu Berlin. Seit 1977 steht der Ortskern unter Denkmalschutz.

Der Dorfkern von Alt-Marzahn mit zweiter Dorfkirche.

Heute heißt die spindelförmige Straße um den Anger Alt-Marzahn. Diesen Namen erhielt sie am 11. Mai 1938. Zuvor war der offizielle Name Dorfaue. Auf dem Anger, bzw. anliegend steht die Dorfkirche.

Idyllischer Charme rund um den Anger.

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit ist die Bockwindmühle von 1994. Moment mal. Von 1994? Ja, denn es ist mittlerweile die vierte Mühle, die drei vorherigen existieren nicht mehr. Und die Geschichte der Marzahner Mühle hat es in sich. In Marzahn ließen sich ursprünglich Pfälzer Siedler nieder. Diese hatten schon 1765 den Wunsch nach einer eigenen Mühle. Denn bis dato brachten sie ihr Korn immer zur Ahrensfelder Mühle. Ein damals nicht unbeträchtlicher Weg. Ahrensfelde ist eine Ortschaft nordöstlich vom heutigen Berlin. Jedoch wurde der Bau verweigert. Erst 1815 wurde der Bau zugelassen und umgesetzt. Christian Friedrich Krüger, so der erste Müller, starb kurze Zeit nach der Fertigstellung. Sein Sohn verlor diese 1825 nach einem vierjährigen Rechtsstreit durch Zwangsversteigerung.

Die (vierte) Marzahner Bockwindmühle umgeben von Plattenbauten.

Johann Gottfried Scholz übernahm die Mühle 1825. 1873 wurde die Mühle abgerissen und von dem Müller Johann Jacob Heinrich Groth durch einen Neubau ersetzt. Mehrfach wechselten in den kommenden Jahrzehnten durch wirtschaftliche Nöte der Marzahner die Mühle ihren Besitzer. 1899 erwarb Maximilian Georg Triller ein Grundstück und ließ darauf die dritte Marzahner Mühle erbauen. Die beiden Weltkriege überstand die Anlage unbeschadet. 1978 ging sie in das Eigentum der DDR über, welche sie und guter sozialistischer Art und Weise abreißen ließ.

Trotz 40 Jahre DDR-Diktatur: Der Ortskern hat seinen Charakter erhalten.

Am 9. Juni 1982 beschloss der Ost-Berliner Magistrat, an historischer Stelle wieder eine Bockwindmühle zu errichten. In der Uckermark wurden Mühlen gesucht, die dort abgebaut und nach Marzahn gebracht werden sollten. Doch die Uckermarcker wehrten sich erfolgreich dagegen. Für 18.000 Ost-Mark erwarb das Märkische Museum Berlin die verfallene Bockwindmühle im brandenburgischen Luckow. Durch die Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik verzögerte sich dieses Vorhaben. 1992 konnte der Berliner Senat als Besitzer die Mühle jedoch wegen Widerstands der Lockower Dorfbevölkerung nicht abholen. Erst 1994 erstand dann die heutige Marzahner Mühle als Neubau nach historischem Vorbild. Diese wird auch noch betrieben, oft auch für Vorführzwecke. Der Verein, der die Mühle betreut, richtet dort auch Hochzeiten und andere Veranstaltungen aus.

Ein Maulbeerbaum und eine Gedenktafel erinnern an die Pfälzer Siedler.

Doch genau so turbulent wie die Geschichte der Marzahner Mühle, ist auch die Geschichte der dazugehörigen Müller. Von Insolvenzen und Wirtschaftsnöten geplagt, wechselte stetig der Besitzer. Die aktuelle und vierte Mühle wurde viele Jahre von ein und demselben Müller betrieben. Nachdem er jedoch wegen eines sexuellen Übergriffes auf einen Jugendlichen seinen Posten räumen musste, fand man im Mai 2020 einen neuen Müller. Doch der gelernte Industriekletterer und Bootsbauer hatte Ende des Jahres wieder gekündigt. Man fand schnell eine Müllerin, die sich jedoch schon nach vier Wochen mit dem Arbeit gebenden Verein überwarf und ebenfalls kündigte. Aktuell sucht die Mühle wieder einmal einen neuen Müller.

Um die Mühle herum befinden sich viele landwirtschaftliche Geräte aus historischer Zeit und viele Tiere im Rahmen des Zuchtbetriebs im europäischen Programm zum Erhalt gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Haustierklassen. Betrieben wird dies von der Agrarbörse Deutschland Ost e. V.

Newsletteranmeldung

Werbung

*Werbung

Ukraine
Ukraine

Der Ukraine-Bürgerkrieg

Jochen Mitschka

Deutschlands geopolitische Ambitionen

19,00 €

Versandkostenfrei in Europa, inkl. MwSt.

Dieses Buch beschreibt einen Teil der Epoche, in der die deutsche Politik versuchte, im Schatten des großen Imperiums, der USA, wieder zurück auf die Bühne der Weltpolitik zu kommen. Und zwar mit den alten Methoden, die seit Machiavelli zu den Werkzeugen der Politiker gehören. Ein Land sollte aus der Neutralität und den wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland gezwungen werden, um es in die NATO einzugliedern. Ein Protagonist der größten Partei Deutschlands sollte zum Präsidenten der Ukraine gemacht werden, unter anderem, indem Unruhen unterstützt wurden. Alles, was in der Ukraine seit 2014 bis heute passierte, war vorhersehbar. Und wer dieses Buch liest, der wird verstehen, dass auch das westliche, natürlich auch das deutsche Politikestablishment wusste, was passieren würde, obwohl es etwas vollkommen Anderes vorhersagte. Politische Ethik wird geleitet von Zielen wie Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, wobei sie jedoch oft im Widerspruch zu Gemeinwohl oder den Interessen von Individuen oder anderen Gemeinschaften oder Einzelpersonen stehen. Da aber der Inhalt der Begriffe Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit schon immer unterschiedlich interpretiert wurde, wird auch politische Ethik unterschiedlich interpretiert. Politische Akteure nutzen mehr und mehr die Werkzeuge der Täuschung, Lügen, Propaganda, um die Allgemeinheit zu überzeugen, dass sie »ethische« politische Entscheidungen treffen, die allerdings bei aufrichtiger bzw. vollständiger Information der Allgemeinheit von dieser nicht als »ethisch« vertretbar gesehen würden. Damit die Allgemeinheit darüber aber urteilen kann, müssen Täuschungen, Lügen und Propaganda durchsichtig gemacht werden. Mein Dank geht insbesondere an Prof. Richard Sakwa für die Erlaubnis, Zitate, übersetzt ins Deutsche, aus seinem Buch »Frontline Ukraine: Crisis in the Borderlands« (Tauris Verlag) in einer kritischen Betrachtung der Ukraine-Narrative und seines Buches zu verwenden. Es war in meinen Augen bis Anfang 2016 die beste Beschreibung der Ereignisse, und meine Kritik gilt nicht der Fakten-Analyse, sondern den daraus erfolgten Schlussfolgerungen. Richard Sakwas hauptsächliches Problem war meines Erachtens der erlaubte Rahmen der Diskussion. Nach der Tatsachenbeschreibung erfolgt die Analyse und immer, wenn Sakwa von »Unerfahrenheit«, »unbewussten Fehler«, oder »Fehleinschätzungen« hinterfragte ich, ob die Dummheit und Naivität der europäischen (und US-) Politiker wirklich so groß waren, wie es den Anschein hatte. Und in vielen Fällen habe ich den Rahmen der erlaubten Diskussion verlassen und die Meinung vertreten, dass die Protagonisten der westlichen Politik im Jahr 2014 sehr wohl wussten, was sie taten. Nicht nur der Vortrag eines Insiders, von Lawrence Wilkerson, u. a. Stabschef des US-Außenministers Powell in der Zeit der Präsidentschaft von George W. Bush, verrät, dass ihnen sehr wohl bewusst war, was sie taten. »Auch der Mainstream der Medien lässt seine Rezipienten die Bürger im Stich. Er klärt über diese Vorgänge nicht auf, oft geschieht sogar das Gegenteil, medial wird ein Schleier der Naivität ausgebreitet. Da wird ein Bild in schwarz-weiß von Schurken und Guten präsentiert, das hilft, am Kern des Übels immer mit großer Zielsicherheit vorbeizuschießen. Dann kommt einer wie Wilkerson, der im Inneren des Machtzirkels dabei war, und redet Klartext. Hier wieder aus dem Vortrag ein Beispiel über den Ukraine-Konflikt: Wilkerson: () Warum tut Putin das, was er tut? Teilweise, weil das die einzige Möglichkeit ist, wie man an der Macht bleibt und 60% Zustimmungsquoten in Moskau bekommt. Aber auch weil wir das Versprechen nicht hielten, das George H. W. Bush und Jim Baker dem damaligen Außenminister der Sowjetunion, aus der ja dann Russland wurde, Eduard Schewardnadse, und Gorbatschow und später Jelzin gaben. Und Jim sagte nahezu wörtlich, dass dafür, dass ihr (Anm. d. Autors: die Sowjetunion) kein Geheule über den größten diplomatischen Triumph des späten zwanzigsten Jahrhunderts die Wiedervereinigung Deutschlands anstimmt, wir mit der NATO keinen Zoll weiter nach Osten rücken würden; das sind Jim Bakers Worte. Was tat Bill Clinton? Er ging keinen Schritt weiter nach Osten. Nein. Bei ihm waren es ganze Länder. Er und Obama hielt das aufrecht beabsichtigte sogar Georgien und die Ukraine (Anm. d. Autors: in die NATO aufzunehmen). Wir stifteten sogar die Revolution in Kiew an. Was sollte Putin tun? Ein Drittel der sowjetischen (Anm. d. Autors: Er müsste hier wohl »russischen« sagen) schweren Waffen kommen aus der Ukraine. Die wichtigste Marine-Basis, nein Basen, Sewastopol und Odessa sind dort. Odessa könnte als nächstes dran sein, es ist militärisch sogar wichtiger als die Krim. Was sollte er angesichts einer solchen Stichelei, einer solchen Kampfansage tun?« 1 Weiterführende Literatur findet man insbesondere in Kees van der Pijls Buch über den Abschuss von MH17 (PapyRossa Verlag). Gleiches gilt für die Analyse der Schüsse auf dem Maidan, die von Ivan Katchanovski auf Academia.edu verfügbar ist. Aus diesem Grund wird über die Schüsse auf dem Maidan als auch den Abschuss von MH17 in diesem Buch nur am Rande eingegangen. Das Buch zeigt auf, dass fast alle Voraussagen, welche die Kritiker der Regierung der EU, der NATO und Deutschlands schon 2014 uns 2015 angebracht hatten, berechtigt waren.

Bei Kopp bestellen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.