KakaoIst Lumumba rassistisch? Bild von Anrita auf Pixabay

Aktuell ist Vorweihnachtszeit und diese ruft auch wieder Miesmacher auf den Plan. Dabei geht es dieses Jahr um die Frage, ob der Name Lumumba für ein Kakaogetränk mit Schuss rassistisch ist. Denn es ist auch der Nachname eines afrikanischen Politikers, der 1961 erschossen wurde. Man sieht darin eine Anspielung auf diesen Vorfall.

Ausgangspunkt der medialen Berichterstattung ist ein X-Post von Annalena Schmidt. Sie ist laut eigenen Angaben ehemalige Stadträtin und Historikerin aus Bautzen. Aktuell mache sie in Sachsen „politische Bildungsarbeit“. Sie beklagt darin, dass man einen Kakao mit Schuss nach einen kongolesischen Politiker benannt hat, der erschossen wurde. Das nennt sie rassistisch.

2019 fiel Schmidt bereits dadurch auf, dass sie zeigen wollte, dass Bautzen „kein braunes Nest“ sei. Seitdem steht sie bei Konservativen bis Rechten in der Kritik. Doch schauen wir uns ihre Behauptung an. Ist diese so richtig?

Erstmal können wir feststellen, dass Lumumba grundsätzlich ein afrikanischer Name ist, der nicht nur im Kongo, sondern in ganz Ostafrika verbreitet ist – überwiegend als Vorname. Er bedeutet „der Talentierte“. Ist das vllt. ein möglicher Ursprung? Es gibt keinen Beleg. Dennoch, der bekannteste Namensträger ist Patrice Lumumba.

Er gilt als Held der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Nach der Unabhängigkeit Kongos von Belgien im Jahr 1960 wurde Lumumba erster Premierminister des Landes. Das passte aber weder den USA, noch der ehemaligen Kolonialmacht Belgien, denn diese hatten insbesondere vor dem Hintergrund des Kalten Krieges große wirtschaftliche Interessen am Kongo. Beide Westmächte ließen ihn durch Joseph Kasavubu absetzen. Später wurde Mobutu Präsident, welcher Lumumba einsperren und dann erschießen ließ. Dies ist eine der Grundlagen von Schmidts Argumentation.

Doch ist diese Gleichsetzung an sich nicht der eigentliche Rassismus? Ist nicht der Name rassistisch, sondern der Gedankengang von Annalena Schmidt? Eine Erklärung. Sie setzt den braunhäutigen Kongolesen Lumumba für diese Überlegung mit dem braunen Getränk Kakao gleich. Die Schüsse auf Lumumba mit dem „Schuss“ Rum im Kakao. Ist diese Gleichsetzung so gemeint? Es gibt dafür keinen Hinweis, zumindest scheint Frau Schmidt aber diese Herleitung zu ziehen. Das Buch „Die Schule des anspruchsvollen Trinkens: Eine berauschende Geschichte von sieben Spirituosen“ besagt dagegen, dass vollkommen unklar ist, ob die Benennung des Getränks nach diesem Politiker (das wird dort explizit so angesehen) eine rassistische Beleidigung ist oder ob es eine Form des würdevollen Gedenkens ist.

Letzteres erscheint plausibel, wenn man den Begriff „Schuss“ so nimmt, wie er eigentlich gemeint ist und nicht, wie Annalena Schmidt ihn interpretiert. Es hat nämlich nichts mit „Schießen“ zu tun. Es stammt vom Englischen Begriff „Shot Glass“ und bezeichnet laut Oxford Englisch Dictionary ein kleines Glas, in welchem Whisky, Rum oder ähnliche Branntweine dargereicht wurden. Mit Shot ist hier aber nicht Schuss gemeint, sondern die ebenfalls korrekte englische Übersetzung „Schlag“, da man diese Gläser mit einem einzigen Schlag leeren konnte. Der Begriff wurde erstmals 1940 in den USA nachgewiesen, dürfte demnach weit später erst nach Deutschland gekommen sein, wo er natürlich nicht sofort in aller Munde, geschweige denn der Umgangssprache vertreten war. Bei Namensgebung des Getränkes, welches in einzelnen Regionen seit Mitte der 1965 Jahre so benannt ist, dürfte sicherlich noch nicht die Verbindung mit „mit Schuss“ gestanden haben. Von daher ist die Gedenkversion hier die Wahrscheinlichere.

Es gibt noch mehrere Erklärungsversuche, woher der Begriff „mit Schuss“ oder „ein Schuss“ stammt, für diese gibt es aber keine Belege und sie sind eher in den Bereich von romantisierten Geschichten zu verorten. Das Getränk selbst kannte ich zwar auch, ich hatte bis zum Start der öffentlichen Diskussion diesen Namen allerdings noch nie gehört. Hintergrund ist, dass ich Norddeutscher bin und bei uns nennt man das Getränk „Tote Tante“. Einer Legende nach kam eine in den USA verstorbene Föhrerin eingeäschert in einer Urne in einer Kakaokiste zurück auf die Insel. Daher soll diese Bezeichnung stammen. Ich selbst trank damals jedenfalls einen halben Liter kalten Kakao mit 0,02 l Jägermeister. Diese Mischung schmeckt exakt wie Lebkuchen. Gerne mal ausprobieren.

An der offensichtlich falschen Behauptung von Annalena Schmidt, der Name des Getränkes sei rassistisch, gibt es auch viel öffentliche Kritik. So schreibt zum Beispiel der medien- und migrationspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, Ruben Rupp, dazu:

„Weil der kongolesische Premier 1960 erschossen wurde, ist der auch im Südwesten, etwa in Tennenbronn, unter dem Namen erhältliche ‚Kakao mit Schuss‘ ein rassistisches Getränk, so RTLBILD und andere Medien gestern. Erhoben hatte den Vorwurf übrigens eine Aktivistin, die schon mal eine ganze sächsische Stadt als ‚braun‘ diffamierte. Das kommt davon, wenn man so vom Hass auf alles Eigene zerfressen ist, dass man selbst einen Kakao mit Schuss nur noch mit rassistischen Hintergedanken trinken kann und alles mit Rassismus in Verbindung bringen muss. Was folgt als nächstes? Die klassische Pizza mit Tomate, Mozzarella und Basilikum ist nach der früheren italienischen Königin Margarethe benannt, die Mussolini unterstützte. Ist ‚Pizza Margherita‘ also eine Faschistenspeise, müssen jetzt Wiener, Frankfurter, ja gar die Peking-Ente dran glauben? Dass viele Medien dieser lächerlichen Debatte auch noch unreflektiert ein Podium bieten, kündet von der linkslastigen woken Parallelwelt, für die sie inzwischen produzieren.“

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