Wildschwein

Berlin (ots)Die seit Jahrzehnten steigende Zahl der Wildschweine ist trotz tierschutzwidriger Maßnahmen wie der Aufhebung von Schonzeiten, der Jagd zu Nachtzeiten mit künstlichen Lichtquellen, dem Einsatz von Saufängen und der Intensivierung von Drückjagden nicht aufzuhalten.

In einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner führt die Tierschutzorganisation Wildtierschutz Deutschland diese Entwicklung auf die schlechte Beratung durch die eigenen Behörden zurück. Im Wesentlichen seien der großflächige Anbau von Raps und Mais und eine völlig unstrukturierte, weil nach persönlichen Präferenzen der Jäger durchgeführten Jagd die Hauptursachen der nicht zielführenden Maßnahmen zur Begrenzung der als relativ hoch empfundenen Schwarzwildbestände.

Ziel müsse es sein, die in den nächsten Jahren zwischen 1,4 und 2,4 Millionen schwankende Zahl der Wildschweine auf diesem Niveau zu begrenzen. Wildtierschutz Deutschland empfiehlt dazu die folgenden Maßnahmen:

 - Zentrale, bundesweite Koordinierung eines Schwarzwild-Bestandsmanagements. Ziel: koordinierte einheitliche bundesweite Vorgehensweise in den Revieren. 
 - Reduzierung des Jagddrucks. Jagdlicher Eingriff ausschließlich in die Klasse der Frischlinge und Überläufer. Ggf. finanzieller Anreiz. Verbot des Abschusses von gesunden adulten Tieren. Ziel: Hohes ASP-Ansteckungsrisiko durch Frischlinge reduzieren. Aufbau und Förderung von reproduktionsmindernden, artgerechten Sozialstrukturen. 
 - Verbot von revierübergreifenden Drück-Stöberjagden. Ziel: Beibehaltung der Ortstreue adulter Tiere und damit Reduktion der Streifgebietsumfänge. 
 -  Schaffung besserer Überwachungsinstrumente für die Populationsdichte von Wildschweinen, die möglicherweise nicht auf Jagddaten basieren (Monitoring). 
 -  Förderung der Forschung zu den Möglichkeiten der Verabreichung von Kontrazeptiva in Problemzonen (z.B. Stadtgürtel, räumliche Nähe zur Massentierhaltung). (EU-zugelassene Kontrazeptiva für Hausschweine gibt es bereits. Diese sind unbedenklich hinsichtlich der Lebensmittelgewinnung. Die Verabreichung von Impfungen an Schwarzwild wurde z.B. in Katalonien bereits erfolgreich praktiziert.) 
 -  Förderung der Forschung zur Dynamik der Wildschweinpopulationen und den Möglichkeiten zur Kontrolle und der räumlichen und zeitlichen Lenkung von Schwarzwildbeständen. 
 -  Förderung der Forschung zur Entwicklung von Impfstoffen (für Hausschweine) gegen die Afrikanische Schweinepest. 
 -  Die europaweite Agrarpolitik sollte die Auswirkungen auf die Dynamik der Wildtierpopulation beim Management von Wildtierkrankheiten berücksichtigen. Das Gegenteil ist der Fall. In Deutschland werden inzwischen allein Mais und Raps auf einer Fläche, die der Größe von Mecklenburg-Vorpommern entspricht, angebaut. 
 -  Erarbeitung von Agrarförderkonzepten, welche Anreize schaffen, der Hauptursache der Schwarzwildzunahme und vieler anderer Probleme, der zunehmenden Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft, entgegenzuwirken (z.B. Prämien für kleinflächige und vielfältige Anbauformen).  

Die derzeitigen, seit Jahren nicht erfolgreichen Maßnahmen resultieren letztlich aus dem Herdenverhalten der zuständigen Politiker und deren Berater und werden nach jahrelangem Misserfolg auch künftig das Blatt nicht wenden. Sie scheuen das Risiko, einen vielleicht erfolgreicheren Weg zu gehen, weil sie damit natürlich auch scheitern könnten und sie glauben, mit diesem Scheitern alleine dastehen zu können.

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Offener Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner

EFSA-Studie:Evaluation of possible mitigation measures to prevent introduction and spread of African swine fever virus through wild boar

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Mein Dank geht insbesondere an Prof. Richard Sakwa für die Erlaubnis, Zitate, übersetzt ins Deutsche, aus seinem Buch »Frontline Ukraine: Crisis in the Borderlands« (Tauris Verlag) in einer kritischen Betrachtung der Ukraine-Narrative und seines Buches zu verwenden. Es war in meinen Augen bis Anfang 2016 die beste Beschreibung der Ereignisse, und meine Kritik gilt nicht der Fakten-Analyse, sondern den daraus erfolgten Schlussfolgerungen. Richard Sakwas hauptsächliches Problem war meines Erachtens der erlaubte Rahmen der Diskussion. Nach der Tatsachenbeschreibung erfolgt die Analyse und immer, wenn Sakwa von »Unerfahrenheit«, »unbewussten Fehler«, oder »Fehleinschätzungen« hinterfragte ich, ob die Dummheit und Naivität der europäischen (und US-) Politiker wirklich so groß waren, wie es den Anschein hatte. Und in vielen Fällen habe ich den Rahmen der erlaubten Diskussion verlassen und die Meinung vertreten, dass die Protagonisten der westlichen Politik im Jahr 2014 sehr wohl wussten, was sie taten. Nicht nur der Vortrag eines Insiders, von Lawrence Wilkerson, u. a. Stabschef des US-Außenministers Powell in der Zeit der Präsidentschaft von George W. Bush, verrät, dass ihnen sehr wohl bewusst war, was sie taten. »Auch der Mainstream der Medien lässt seine Rezipienten die Bürger im Stich. Er klärt über diese Vorgänge nicht auf, oft geschieht sogar das Gegenteil, medial wird ein Schleier der Naivität ausgebreitet. Da wird ein Bild in schwarz-weiß von Schurken und Guten präsentiert, das hilft, am Kern des Übels immer mit großer Zielsicherheit vorbeizuschießen. Dann kommt einer wie Wilkerson, der im Inneren des Machtzirkels dabei war, und redet Klartext. Hier wieder aus dem Vortrag ein Beispiel über den Ukraine-Konflikt: Wilkerson: () Warum tut Putin das, was er tut? Teilweise, weil das die einzige Möglichkeit ist, wie man an der Macht bleibt und 60% Zustimmungsquoten in Moskau bekommt. Aber auch weil wir das Versprechen nicht hielten, das George H. W. Bush und Jim Baker dem damaligen Außenminister der Sowjetunion, aus der ja dann Russland wurde, Eduard Schewardnadse, und Gorbatschow und später Jelzin gaben. Und Jim sagte nahezu wörtlich, dass dafür, dass ihr (Anm. d. Autors: die Sowjetunion) kein Geheule über den größten diplomatischen Triumph des späten zwanzigsten Jahrhunderts die Wiedervereinigung Deutschlands anstimmt, wir mit der NATO keinen Zoll weiter nach Osten rücken würden; das sind Jim Bakers Worte. Was tat Bill Clinton? Er ging keinen Schritt weiter nach Osten. Nein. Bei ihm waren es ganze Länder. Er und Obama hielt das aufrecht beabsichtigte sogar Georgien und die Ukraine (Anm. d. Autors: in die NATO aufzunehmen). Wir stifteten sogar die Revolution in Kiew an. Was sollte Putin tun? Ein Drittel der sowjetischen (Anm. d. Autors: Er müsste hier wohl »russischen« sagen) schweren Waffen kommen aus der Ukraine. Die wichtigste Marine-Basis, nein Basen, Sewastopol und Odessa sind dort. Odessa könnte als nächstes dran sein, es ist militärisch sogar wichtiger als die Krim. Was sollte er angesichts einer solchen Stichelei, einer solchen Kampfansage tun?« 1 Weiterführende Literatur findet man insbesondere in Kees van der Pijls Buch über den Abschuss von MH17 (PapyRossa Verlag). Gleiches gilt für die Analyse der Schüsse auf dem Maidan, die von Ivan Katchanovski auf Academia.edu verfügbar ist. Aus diesem Grund wird über die Schüsse auf dem Maidan als auch den Abschuss von MH17 in diesem Buch nur am Rande eingegangen. Das Buch zeigt auf, dass fast alle Voraussagen, welche die Kritiker der Regierung der EU, der NATO und Deutschlands schon 2014 uns 2015 angebracht hatten, berechtigt waren.

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