Matthias W. Birkwald

„Der heute erschienene OECD-Bericht „Pensions at a Glance“ zeigt es deutlich: Unser Rentensystem wurde in den vergangenen Jahren kaputtgespart, im internationalen Vergleich ist Deutschland mittlerweile weit abgeschlagen“, erklärt Matthias W. Birkwald, Rentenexperte der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Birkwald weiter:

„Deutschland gibt zu wenig Geld für die gesetzliche Rente aus und dafür bekommen die heutigen und auch die zukünftigen Rentnerinnen und Rentner die Quittung: Mit einer sogenannten Bruttoersatzrate von 41,5 Prozent liegt Deutschland deutlich hinter dem OECD-Durchschnitt von 51,8 Prozent und noch weiter hinter dem EU27-Durchschnitt von 54,3 Prozent. Vor ähnlich reichen Ländern wie Österreich (74,1 Prozent) und den Niederlanden (69,7 Prozent) können wir uns nur noch beschämt verstecken. Die Zahlen zeigen es deutlich: Die Haltelinie beim Rentenniveau von 48 Prozent ist im internationalen Vergleich ein Armutszeugnis. Wir brauchen jetzt eine Debatte über ein solide finanziertes Rentenniveau von 53 Prozent. Die Bruttoersatzrate beschreibt das Verhältnis der Rentenleistung zum letzten Erwerbseinkommen vor Renteneintritt. Die OECD berechnet die Bruttoersatzrate anhand des typisierten Falles, dass eine Person im Jahr 2020 ihre Berufslaufbahn begann und bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze zum jeweils geltenden Durchschnittsgehalt durchgehend beschäftigt sein wird.

Die derzeit regelmäßig vorgetragenen apokalyptischen Berichte über das Ende der Finanzierbarkeit der gesetzlichen Rentenversicherung entbehren jeglicher Grundlage. Die häufig zitierten 100 Milliarden Euro an Bundesmitteln, die jährlich an die Gesetzliche Rentenversicherung gehen, werden einfach in den luftleeren Raum geworfen, sodass jeglicher Vergleichsmaßstab verloren geht. Betrachtet man die Zahlen in gesamtwirtschaftlicher Perspektive, geizt Deutschland sogar bei den Ausgaben für seine Seniorinnen und Senioren: Das Verhältnis der Ausgaben für Altersrenten (inklusive der Beamtenpensionen) zum Bruttoinlandsprodukt lag 2019 in Deutschland mit 9,3 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 10,0 Prozent. Von Italien (12,7 Prozent), Frankreich (12,1 Prozent) oder Österreich (11,6 Prozent) sind wir meilenweit entfernt und auch das in der rentenpolitischen Debatte derzeit omnipräsente Schweden wendet mit 9,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einen höheren Anteil des erwirtschafteten Wohlstands für die Absicherung seiner Rentnerinnen und Rentner auf. Das darf nicht so bleiben. Die Alten müssen uns mehr wert sein.“

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