Ernst Aurich

Wie umgehen mit den Linken gleich nebenan? Ausgrenzen, tolerieren oder einbinden? Stefan Raven sucht nach Antworten in deutschen Städten, wie etwa in Berlin-Köpenick. Hier wohnt Stefan Förster. Dem Vorsitzenden des Heimatvereins Köpenick e. V. scheint die politische Einstellung einzelner Mitglieder egal zu sein. So wie er denken viele der Vereinsmitglieder und Köpenicker. Dabei ist eines der Mitglieder des Vereins, mit dem Förster im selben Verein ist, Kommunist.

Und dieses ist nicht irgendein Kommunist, es ist Eberhard Aurich – ehemaliges Mitglied des Zentralkomitees der SED – die frühere Bezeichnung der Linken. Außerdem war Aurich seit 1986 Mitglied der Volkskammer der DDR und Mitglied des Staatsrates. Laut seines Lebenslaufes, den er offen – als würde es sich nicht um die Teilnahme an Verbrechen am deutschen Volk handeln – auf seiner Homepage veröffentlicht, hat der 1946 geborene Kommunist seit 1957 linksextreme Ämter inne. Angefangen hat dies 1957 als Gruppenratsvorsitzender der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“. 1964 wurde er Mitglied der FDJ-Leitung der Oberschule. Es folgten über die Jahre viele Auszeichnungen und Ehrungen, vor allem aber Ämter in FDJ und SED. Aurich ist definitiv kein „Mann der letzten Stunde“, um die DDR zu reformieren, wie es Gregor Gysi und Lothar Bisky immer fälschlich von sich selbst behaupten.

Auch das Ausscheiden aus der PDS im Jahr 1991 täuscht nicht über Aurichs Lebenslauf hinweg. Zwischen 1961 und 1989 kam es allein an der Berliner Mauer zu mindestens 140 Toten. Weit über 600 Menschen starben insgesamt an der innerdeutschen Grenze bei Fluchtversuchen. 200.000 bis 250.000 politische Gefangene gab es in der DDR. Aurich ist aufgrund seines Lebenslaufs mit schuldig. Es gibt keine Ausreden, kein Verschweigen, kein Vergessen. Es gab von Aurich auch nie ein öffentliches Wort der Entschuldigung, keine Selbstanzeige, kein umfassendes Geständnis und nie ein Zeichen der Distanzierung zum damaligen Bolschewikenregime.

Stattdessen lebt der DDR-Täter unbescholten in Köpenick, mitten unter Menschen, die er damals verfolgen und einsperren ließ und führt ein sorgenfreies Leben. Rente bekommt er seit 2021 und lässt sich für sein Buch „Zusammenburch – Erinnerungen, Dokumente, Einsichten“ feiern. Dieses liest sich jedoch meist wie Geschichtsklitterung und Zeichen der Einsicht lassen sich auch in diesem nicht finden.

Herr Zentralkommiteemitglied Aurich: Wir sehen Sie und wir vergessen nicht.

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