Krankenhaus

Das Interview in der Welt mit Matthias Schrappe löste bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft Empörung aus. Mit heute veröffentlichter Presseerklärung versuchte man dort einige Aussagen des Wissenschaftlers und seines Teams zu widerlegen – doch ganz schlüssig klingt das für uns nicht. Vor allem die Moralschraube wird in der Veröffentlichung der DKG deutlich überzogen.

Es wird wieder einmal auf die Angst vor dem Unbekannten im Frühjahr 2020 verwiesen. Dies geht auch einher mit den bestellten Beatmungsgeräten bei Dräger, die im August zum Großteil storniert wurden. Doch bauten die Krankenhäuser eigenständig Beatmungsstationen auf, denn die Zahl stieg um fast 10.000 Plätze binnen eines Jahres an, obwohl die bestellten Geräte von dem Bundesgesundheitsministerium nicht gebraucht wurden (wir berichteten). Man spricht heute dennoch von fast 30.000 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit, obwohl das DIVI ohne Notfallresserve mit Stand vom April 2021 nur über 23.000 anzeigt.

Es wird darauf verwiesen, dass die Krankenhäuser durch Schnelllehrgänge von Personal in der Lage gewesen wären, auch die Notfallbetten zu bedienen. Doch flossen dafür auch Gelder? Und wie ist eine Fortbildung und die Betreibung weiterer Betten mit dem Personalmangel zu erklären, der bundesweit in Krankenhäuser herrscht? Dazu nimmt die DKB in ihrem Schreiben keine Stellung. Einige Zeilen weiter ist wieder die Rede von betreibbaren Betten, die wirklich gezählt werden. Also doch nicht die Betten mit Notfallreseserven? Und warum werden die Notfallreserven erst seit August 2020 erfasst?

Intensivbetten
Die Intensivbelegung zeigte 2020 keine großen Abweichungen zu 2019.

Weiter heißt es: „Für den Rückgang der Intensivbettenzahl im weiteren Verlauf des Jahres gibt es mehrere Gründe. Bereits Anfang August 2020 kam es im DIVI-Intensivregister zu einem Rückgang der Intensivbettenzahl. Dieser ist auf eine Änderung bei der Abfrage der intensivmedizinischen Kapazitäten sowie dem Einsetzen der Pflegepersonaluntergrenzen zurückzuführen. In der Konsequenz haben zahlreiche Kliniken ihre Bettenmeldungen an diese Personalvorgaben angepasst. Außerdem werden seitdem die Notfallreservekapazitäten separat abgefragt. Die Angaben zur Anzahl der freien betreibbaren Bettenkapazitäten haben sich in den folgenden Meldungen entsprechend reduziert. Die Daten legen nahe, dass ein Teil der vorher gemeldeten freien Bettenkapazitäten nun als Notfallreservekapazität gemeldet wird. Die Notfallreserve kann stückweise aktiviert werden, indem andere Behandlungen abgesagt bzw. verschoben werden.“

Dies mag einleuchtend klingen, doch ist bei der Untersuchung von Herrn Schrappe eindeutig die Rede von dem Spiel mit der Angst. Warum wurden ausgerechnet zu Coronazeiten kurz vor der sogenannten zweiten Welle die Intensivbetten für Kinder und Säuglinge herausgerechnet? Wie man in einer kurzen Netzrecherche erkennen kann, sind diese auch ohne Covid-19 maßlos überlastet. Es hätte statistisch keinen Unterschied gemacht, macht aber sehr wohl einen, wenn man die Zahl der Covid-Patienten als prozentualen Maßstab einbaut. Da ist es wieder, das Spiel mit der Angst und den optisch greifbar knappen Intensivbetten in einem schönen Balkendiagramm inkl. hoher Prozentzahl an Covid-Patienten.

Intensivbetten
Warum wurden Kinderbetten erst vor der zweiten Welle rausgerechnet und warum gibt es erst seit August eine Statistik über Notfallreserven.

Den Vorwurf, Statistiken im Nachhinein manipuliert zu haben, müssen sich Krankenhäuser und Politik hier gefallen lassen, denn die Zahlen lassen den Verdacht eindeutig zu. Eine Entkräftung der Vorwürfe durch die heutige Pressemitteilung der DKV liegt nicht vor. Diese ist oberflächlich, lässt zu viele Fragen offen und redet sich gekonnt um die eigentlichen Kritikpunkte herum. Eine lückenlose Offenlegung, die ein immer größer werdender Teil der Gesellschaft fordert, sieht anders aus. Und die abschließende emotionale Untermalung von zu rettenden Menschenleben und damit eine künstliche hohe Auslastung der Intensivbetten durch Verlegung scheitert bei jeder wissenschaftlichen Analyse. Dort ist zum Teil die Rede von Patienten, die monatelang wegen Covid-19 auf Intensivstationen gelegen haben sollen und deren Leben gerettet wurde. Dies mag zwar im Einzelfall stimmen, aber erklärt nicht, die zwei Mal so hohe Auslastung wie in vermeintlichen Krisenregionen wie in Italien, auf die sich die DKG eingangs noch beruft.

Die Stellungnahme wirkt daher auf uns wie eine unsachliche Rechtfertigung für ein vielleicht strafrechtlich relevantes Vorgehen von Krankenhäusern und Politik im Einvernehmen.

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Ein Gedanke zu „Schutzbehauptungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft gegen Schrappes Analysen“

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