Versteckte Aufnahmen belegen: Tönnies-Zulieferer quälen

Merzen bei Osnabrück (ots) Dem Deutschen Tierschutzbüro ist Bildmaterial aus einer der größten Schweinemastanlagen Niedersachsens zugespielt worden. Der Betrieb liegt in Merzen, Samtgemeinde Neuenkirchen, Landkreis Osnabrück, es werden dort ca. 5.000-10.000 Schweine gemästet.

Die Videoaufnahmen aus den Masthallen sind nur schwer zu ertragen. Einige der Tiere weisen zum Teil blutige Verletzungen an den Beinen auf, so dass sich die Tiere nur unter Schmerzen fortbewegen können. Bei anderen Tieren haben sich bereits handballgroße Abszesse gebildet, die ganz offensichtlich nicht behandelt wurden. “Mindestens 33 der dokumentierten Schweine haben blutig gebissene Schwänze. Offensichtlich kümmert sich der Betreiber nicht ordnungsgemäß um seine Tiere und lässt sie nicht tierärztlich behandeln” kritisiert Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro.

Dabei wurden noch nicht einmal alle Hallen der Stallung abgefilmt. Das Schwanzbeißen hängt sicherlich auch mit der katastrophalen Haltung in den zum Teil veraltetet wirkenden Stallungen zusammen. Zudem müssen die Tiere auf Spaltenböden sehr dicht gedrängt stehen. Ein Teil der Schweine sieht offenbar noch nicht einmal Tageslicht. Auf den Aufnahmen sind auch einige Tiere zu sehen, die apathisch wirken oder augenscheinlich am Sterben sind. “Ein totes Schwein wurde vorgefunden, das bereits blau aufgedunsen war. Vermutlich lag es schon mehrere Tage tot im Stall” so Peifer, der darauf hinweist, dass dies gesetzeswidrig ist. Ein anderes totes Schwein wurde von den anderen Schweinen bereits angefressen. “Der Betreiber kommt seiner Fürsorgepflicht hier überhaupt nicht nach. Das wird auch dadurch deutlich, dass viele der verletzten Tiere nicht in der gesetzlich vorgeschriebenen Krankenbucht vorgefunden wurden” moniert Peifer. Dabei hat der Betreiber selbst Überwachungskameras installiert. Diese sollen aber vermutlich eher Tierrechtler*innen fernhalten als zur Tierwohlüberwachung der Schweine dienen. Zudem trägt der Betrieb das QS Prüfzeichen, doch die Kontrollen haben hier offenbar versagt.

Die Videobilder sind Teil einer Recherche aus verschiedenen Masthallen, für die der stellvertretende Bürgermeister von Merzen bzw. seine Familie verantwortlich ist. Darauf deutet jedenfalls ein in einer Masthalle vorgefundenes und abgefilmtes Dokument hin. Dort ist der stellvertretende Bürgermeister als stellvertretender Betriebsleiter genannt. Zudem äußert er sich gegenüber der Presse und gibt sich als Miteigentümer der Mastanlagen aus. Über die Jahre hat er sich zudem ein undurchsichtiges Firmengeflecht mit diversen Unternehmungen (Betrieben) aufgebaut, an dem primär Familienmitglieder beteiligt sind. Alleine durch EU-Gelder erhielt das Familien-Firmengeflecht deutlich mehr als 100.000 Euro Förderung pro Jahr (entsprechende Beweise und Dokumente liegen dem Deutschen Tierschutzbüro vor). “Die aus Steuern finanzierte Förderung kommt bei den Schweinen allerdings nicht an” so Peifer. Jetzt sollen die Mastanlagen auch noch erweitert werden, ein entsprechender Bauantrag wurde gestellt. “Aus Sicht der Tiere wäre dies eine Katastrophe” so Peifer.

Immer wieder stehen Politiker*innen, die selbst Mastanlagen betreiben, wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz in der Kritik. „Eine gewisse Nähe zwischen dem Amt des stellvertretenden Bürgermeisters und dem Veterinäramt, welches für die Kontrolle und Überwachung von Tierhaltungsbetrieben verantwortlich ist, kann sicherlich nicht abgestritten werden”, so Peifer weiter.

Das Deutsche Tierschutzbüro sieht sich in Anbetracht solcher Verstrickungen einmal mehr darin bestätigt, den Verbraucher*innen zu empfehlen, keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren und sich rein pflanzlich zu ernähren. “Nur mit einer veganen Lebensweise kann den Tieren wirklich und nachhaltig geholfen werden, denn kein Tier will sterben und geht freiwillig in einen Schlachthof” so Peifer. Die Videoaufnahmen wurden Anfang Dezember 2020 erstellt. Unmittelbar danach wurde das zuständige Veterinäramt in Osnabrück informiert. Das Amt hat diverse Missstände vorgefunden. Zudem wurde eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Oldenburg gestellt, welche die Ermittlungen inzwischen aufgenommen hat (AZ 1102 Js 18935/21 ).

Dies ist bereits der sechste Fall von massiver Tierquälerei aus niedersächsischen Schweinemastbetrieben innerhalb den letzten Monate, die das Deutsche Tierschutzbüro aufgedeckt und zur Anzeige gebracht hat. “Immer wieder zeigt sich das zuständige Landwirtschaftsministerium erschüttert über die schlimmen Bilder. Immer wieder wird lückenlose Aufklärung und hartes Durchgreifen gefordert, doch am Ende passiert einfach nichts” so Peifer und ergänzt “Wer den Schweinen helfen will, der soll aufhören sie zu essen, denn der Standard ist Tierquälerei”.

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