Mörsergranate

Flughafen München (ots)Es gibt offenbar wirklich nichts, was es nicht gibt. Gestern (30. September) haben Mitarbeiter in der Fluggastkontrollstelle im Terminal 1 im Handgepäck eines 28-Jährigen ein knapp zwanzig Zentimeter langes Mörsergeschoss entdeckt und sofort bei den beiden Polizeien am Moos-Airport Alarm geschlagen. Der dann folgende Einsatz war angeblich das Ergebnis von Vergesslichkeit. Der Reisende erklärte, er habe das Fundstück bei einem Wanderurlaub mitgenommen und wohl in seinem Rucksack vergessen. Dass solche Trophäen nicht nur Freude bringen, musste der Münchner jetzt schmerzlich feststellen. Neben dem verpassten Flug hat er auch eine Strafanzeige und eventuelle Schadensersatzzahlungen sowie eine Kostenrechnung für den Einsatz der Polizeibeamten zu erwarten. Dazu sollte man auch die Gefahr nicht unterschätzen, die von solchen Funden ausgeht.

Der Rucksack eines 28-jährigen Münchners hat am Donnerstag für mächtig Aufregung bei den Sicherheitsbehörden am Münchner Flughafen gesorgt. Der junge Mann und sein Gepäckstück waren, unterwegs in den Türkeiurlaub, früh morgens von Mitarbeitern der Sicherheitsgesellschaft München, kurz SGM, in der Fluggastkontrollstelle im Modul C gecheckt worden. Dabei trauten die Damen und Herren, die eigentlich schon alles gesehen haben, ihren Augen kaum. Auf dem Röntgenbild des Rucksacks tauchten die Umrisse eines Gegenstands auf, der im wahrsten Sinne des Wortes die Alarmglocken läuten und jedem Fachmann die Schweißperlen auf die Stirn treten ließ. Deutete doch alles auf ein Geschoss einer großkalibrigen Kriegswaffe hin. Auch der Bundespolizist, der zum Schutz der Kontrollstelle und des dort eingesetzten Personals vor Ort war, wurde sofort hellhörig und alarmierte umgehend seinen Einsatzleiter. Dieser wiederum zog schnellstmöglich Spezialkräfte der Bundespolizei und des Bayerischen Landeskriminalamtes, sowie die Kollegen der Polizeiinspektion am Airport hinzu und ließ den Bereich von seinen Beamten großräumig absperren.

Die Kollegen der bayerischen Polizei nahmen sich des jungen Mannes an, die Spezialkräfte beider Polizeibehörden des verdächtigen Gegenstandes.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt der Volksmund. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage bestätigt sich für Polizeibeamte und Mitarbeiter am Münchner Flughafen immer wieder. Jüngstes Beispiel für die kuriosesten Vorfälle mit gravierenden Folgen nicht nur für den Betroffenen am Moos-Airport ist ein Granatenfund im Terminal 1. Foto: Bundespolizeidirektion München

Nach technischer Untersuchung war klar, dass es sich tatsächlich um eine Mörsergranate handelte. Also transportierten die uniformierten Sprengstoffspezialisten die Granate sorgsam ab und machten sie anschließend unschädlich. Auch der 28-Jährige musste den Ort des Geschehens verlassen. Er durfte die Beamten der bayerischen Polizei auf deren Wache begleiten, wo er in der Beschuldigtenvernehmung erklärte, er habe das Geschoss vor ein paar Wochen bei einer Bergwanderung in der Schweiz gefunden und eingesteckt. Was er mit dem lebensgefährlichen Fund genau wollte, konnte er den Beamten nicht sagen. Auch dass sein Leben seit dem Fund am seidenen Faden hing, war ihm so wohl nicht bewusst. Schließlich kann eine solche Granate unter bestimmten Umständen jederzeit auch explodieren.

Was ihm aber spätestens jetzt bewusst sein dürfte, ist der Umstand, dass solche Mitbringsel nichts im Reisegepäck verloren haben. Dies kann nämlich ein gewaltiges Loch in die Reisekasse reißen. Der Münchner auf jeden Fall hat nämlich nicht nur seinen Flug verpasst, sondern wird sich auch in absehbarer Zeit mit ein paar Rechnungen der Justiz- und Sicherheitsbehörden auseinandersetzen müssen. Neben Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Luftsicherheitsgesetz und das Sprengstoffgesetz wird der junge Mann auch die Kosten des Polizeieinsatzes zu tragen haben. In wie fern auch andere Stellen, wie etwa der Flughafenbetreiber oder von den Maßnahmen und den daraus folgenden Verzögerungen betroffene Airlines noch auf den 28-Jährigen zukommen, liegt in deren Ermessen.

Sicher sein dürfte in jedem Fall, dass das Souvenir des jungen Münchners neben den Sicherheitsbehörden auch dem Flughafenbetreiber, der einen oder anderen Airline und vielen Passagiere an diesem Tag nicht wirklich Freude bereitet hat. Aus Sicherheitsgründen musste der Bereich um den Feststellungsort für sage und schreibe drei Stunden großräumig gesperrt werden.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass der junge Mann bei seinem nächsten Ausflug in die eidgenössische Nachbarschaft lieber zu Schweizer Schokolade oder einer Ansichtskarte vom Matterhorn greift.

Newsletteranmeldung

Werbung

*Werbung

Ukraine
Ukraine

Der Ukraine-Bürgerkrieg

Jochen Mitschka

Deutschlands geopolitische Ambitionen

19,00 €

Versandkostenfrei in Europa, inkl. MwSt.

Dieses Buch beschreibt einen Teil der Epoche, in der die deutsche Politik versuchte, im Schatten des großen Imperiums, der USA, wieder zurück auf die Bühne der Weltpolitik zu kommen. Und zwar mit den alten Methoden, die seit Machiavelli zu den Werkzeugen der Politiker gehören. Ein Land sollte aus der Neutralität und den wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland gezwungen werden, um es in die NATO einzugliedern. Ein Protagonist der größten Partei Deutschlands sollte zum Präsidenten der Ukraine gemacht werden, unter anderem, indem Unruhen unterstützt wurden. Alles, was in der Ukraine seit 2014 bis heute passierte, war vorhersehbar. Und wer dieses Buch liest, der wird verstehen, dass auch das westliche, natürlich auch das deutsche Politikestablishment wusste, was passieren würde, obwohl es etwas vollkommen Anderes vorhersagte. Politische Ethik wird geleitet von Zielen wie Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, wobei sie jedoch oft im Widerspruch zu Gemeinwohl oder den Interessen von Individuen oder anderen Gemeinschaften oder Einzelpersonen stehen. Da aber der Inhalt der Begriffe Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit schon immer unterschiedlich interpretiert wurde, wird auch politische Ethik unterschiedlich interpretiert. Politische Akteure nutzen mehr und mehr die Werkzeuge der Täuschung, Lügen, Propaganda, um die Allgemeinheit zu überzeugen, dass sie »ethische« politische Entscheidungen treffen, die allerdings bei aufrichtiger bzw. vollständiger Information der Allgemeinheit von dieser nicht als »ethisch« vertretbar gesehen würden. Damit die Allgemeinheit darüber aber urteilen kann, müssen Täuschungen, Lügen und Propaganda durchsichtig gemacht werden. Mein Dank geht insbesondere an Prof. Richard Sakwa für die Erlaubnis, Zitate, übersetzt ins Deutsche, aus seinem Buch »Frontline Ukraine: Crisis in the Borderlands« (Tauris Verlag) in einer kritischen Betrachtung der Ukraine-Narrative und seines Buches zu verwenden. Es war in meinen Augen bis Anfang 2016 die beste Beschreibung der Ereignisse, und meine Kritik gilt nicht der Fakten-Analyse, sondern den daraus erfolgten Schlussfolgerungen. Richard Sakwas hauptsächliches Problem war meines Erachtens der erlaubte Rahmen der Diskussion. Nach der Tatsachenbeschreibung erfolgt die Analyse und immer, wenn Sakwa von »Unerfahrenheit«, »unbewussten Fehler«, oder »Fehleinschätzungen« hinterfragte ich, ob die Dummheit und Naivität der europäischen (und US-) Politiker wirklich so groß waren, wie es den Anschein hatte. Und in vielen Fällen habe ich den Rahmen der erlaubten Diskussion verlassen und die Meinung vertreten, dass die Protagonisten der westlichen Politik im Jahr 2014 sehr wohl wussten, was sie taten. Nicht nur der Vortrag eines Insiders, von Lawrence Wilkerson, u. a. Stabschef des US-Außenministers Powell in der Zeit der Präsidentschaft von George W. Bush, verrät, dass ihnen sehr wohl bewusst war, was sie taten. »Auch der Mainstream der Medien lässt seine Rezipienten die Bürger im Stich. Er klärt über diese Vorgänge nicht auf, oft geschieht sogar das Gegenteil, medial wird ein Schleier der Naivität ausgebreitet. Da wird ein Bild in schwarz-weiß von Schurken und Guten präsentiert, das hilft, am Kern des Übels immer mit großer Zielsicherheit vorbeizuschießen. Dann kommt einer wie Wilkerson, der im Inneren des Machtzirkels dabei war, und redet Klartext. Hier wieder aus dem Vortrag ein Beispiel über den Ukraine-Konflikt: Wilkerson: () Warum tut Putin das, was er tut? Teilweise, weil das die einzige Möglichkeit ist, wie man an der Macht bleibt und 60% Zustimmungsquoten in Moskau bekommt. Aber auch weil wir das Versprechen nicht hielten, das George H. W. Bush und Jim Baker dem damaligen Außenminister der Sowjetunion, aus der ja dann Russland wurde, Eduard Schewardnadse, und Gorbatschow und später Jelzin gaben. Und Jim sagte nahezu wörtlich, dass dafür, dass ihr (Anm. d. Autors: die Sowjetunion) kein Geheule über den größten diplomatischen Triumph des späten zwanzigsten Jahrhunderts die Wiedervereinigung Deutschlands anstimmt, wir mit der NATO keinen Zoll weiter nach Osten rücken würden; das sind Jim Bakers Worte. Was tat Bill Clinton? Er ging keinen Schritt weiter nach Osten. Nein. Bei ihm waren es ganze Länder. Er und Obama hielt das aufrecht beabsichtigte sogar Georgien und die Ukraine (Anm. d. Autors: in die NATO aufzunehmen). Wir stifteten sogar die Revolution in Kiew an. Was sollte Putin tun? Ein Drittel der sowjetischen (Anm. d. Autors: Er müsste hier wohl »russischen« sagen) schweren Waffen kommen aus der Ukraine. Die wichtigste Marine-Basis, nein Basen, Sewastopol und Odessa sind dort. Odessa könnte als nächstes dran sein, es ist militärisch sogar wichtiger als die Krim. Was sollte er angesichts einer solchen Stichelei, einer solchen Kampfansage tun?« 1 Weiterführende Literatur findet man insbesondere in Kees van der Pijls Buch über den Abschuss von MH17 (PapyRossa Verlag). Gleiches gilt für die Analyse der Schüsse auf dem Maidan, die von Ivan Katchanovski auf Academia.edu verfügbar ist. Aus diesem Grund wird über die Schüsse auf dem Maidan als auch den Abschuss von MH17 in diesem Buch nur am Rande eingegangen. Das Buch zeigt auf, dass fast alle Voraussagen, welche die Kritiker der Regierung der EU, der NATO und Deutschlands schon 2014 uns 2015 angebracht hatten, berechtigt waren.

Bei Kopp bestellen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.