Puma

Die Lauf-App eines großen Sportartikelherstellers hat sich etwas ganz Besonderes überlegt. Vom 24. September bis einschließlich 3. Oktober hat sie die zurückgelegte Strecke eines im amerikanischen Nordwesten wildlebenden Pumaweibchens getrackt. Dieser trägt einen GPS-Sender zu Naturschutzzwecken. Ziel dieser 10 Tage war es, mehr Strecke zurückzulegen als der Berglöwe. Stefan Raven, ein begeisterter Hobbyläufer, nahm teil – und gewann. Allerdings nicht nur mit einem spannenden Finale, sondern auch unschönen Szenen seitens des App-Anbieters.

Ca. alle drei Tage schien das Raubkatzenweibchen auf Jagd zu gehen, denn dann legte es größere Strecken zurück. Aber auch sonst waren die Distanzen für Hobbyläufer herausfordernd. Schon nach wenigen Tagen machte sich das in den Beinen des freien Journalisten bemerkbar. Am drittletzten Tag, dem 1. Oktober legte Stefan Raven noch einmal eine Strecke zurück, wonach der bis auf weniger als 1 km an die Distanz des Berglöwenweibchens herankam.

Zugegeben, das Weibchen wusste nicht, dass es insgeheim ein Rennen läuft und wäre im Vergleich zum Journalisten zu anderen Leistungen fähig gewesen. Auf der anderen Seite wiegt es aber auch 30 kg weniger als der Berliner, bewegt sich nicht nur auf zwei, sondern auf vier Beinen fort und muss neben dem Laufen zur Nahrungsbeschaffung nicht auch noch arbeiten. Dafür trackte Stefan Raven dann nur die Zeiten, die er auch wirklich gelaufen/gejoggt ist und keine Gehdistanzen.

Während für Raven am vorletzten Tag ein Ruhe- und Erholungstag für das große Finale war, baute die Puma-Dame ihren Vorsprung noch einmal auf knapp fünf Kilometer aus. Doch in der Nacht von Samstag auf Sonntag ging es noch einmal auf Jagd, so dass der Vorsprung am Sonntag insgesamt fast 14 km betrug. Eine Strecke, die für Raven kein Problem ist und die er während der Challenge auch schon zwei Mal gelaufen ist. In Bezug auf die bereits müden und schmerzenden Beine ging dieser aber nicht davon aus, das noch zu schaffen. Dennoch machte er sich auf den Weg.

Es folgte Runde auf Runde, immer mit dem Ziel vor Augen, möglichst nah an die Distanz des Wildtieres heranzukommen. Letztendlich mit vereinzelt Sternchen vorm Gesicht und zweimaligem Fasthinfallens, weil die Beine schlapp machten, schaffte Raven die vollen 14 km in atemberaubender und nie dagewesener Langsamkeit in 1:44 Stunden. Doch um Zeit ging es hier ja nicht, sondern nur um Distanz innerhalb der 10 Tage. Damit sollte es sicher sein. Dankbar, dass das Wohnhaus im Berliner Osten einen Fahrstuhl verfügt, begab sich Raven mit reichlich Wasser auf die Couch und schaute sich das Ergebnis an. Dabei stellte er fest, dass sich die Puma-Dame auch noch einmal bewegt hatte und exakt 10 Meter vor ihm lag.

So lustig das vielleicht klingen mag, aber an die 10 Meter war nicht mehr zu denken. Gerade Stehen war nach dem Sitzen auf der Couch kaum möglich und nur unter Schmerzen durchführbar. Dennoch erholte sich Stefan Raven drei Stunden, „sprang“ unter die Dusche und wollte noch mal loslaufen. Doch die journalistische Infragestellung von allem ersparte auch hier die unnötige Quälerei. Per Taschenrechner zählte er noch mal die Distanzen genaustens zusammen und stellte fest, dass die Running-App fast fünf getrackte Kilometer von einigen Tagen zuvor zwar als solches erfasst, nicht aber der Challenge zugerechnet hatte. Ein gemeiner Betrug seitens der App. Es war eine ehrliche Leistung des Berliner Sportlers.

Ob da nun die Angst des Anbieters hinter steckte, dass eine unliebsame Person wie Stefan Raven, der oftmals so unbequeme Fragen stellt und fast die gesamte Corona-Pandemie im Laufe der letzten zwei Jahre in Frage stellte, nun diesen Wettkampf gewinnen könnte oder ob ein technischer Fehler seitens der App zugrunde liegt, konnte nicht geklärt werden. Der Anbieter äußerte sich auf unsere Nachfrage nicht. Daher gehen wir eher von ersterem aus.

Allerdings schmälert dies nicht die Leistung und Stefan Raven ist es herzlich egal, ob der Sportartikelanbieter nun seinen Sieg anerkennt oder nicht. Stefan Raven weiß: Er ist der laut App einzige von fast 700.000 Teilnehmern weltweit, der es geschafft hat, die Puma-Dame zu „bezwingen“. Und dies macht unfassbar Stolz und erfüllt das Sportlerherz mit Freude.

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