Bodo RamelowBodo Ramelow

Zum Jahresende 2022 schließt die Oettinger-Brauerei ihren Standort in Gotha. Teile der Produktionskapazitäten und -anlagen würden auf die drei anderen Brauerei-Standorte der Unternehmensgruppe in Deutschland verlagert (Oettingen, Mönchengladbach und Braunschweig), teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Thüringens Ministerpräsident Ramelow zeigt sich mit der Veröffentlichung von Verschwörungsideologien auf Twitter entsetzt.

Die Stellen in Produktion und Logistik in Gotha sollen demnach abgebaut werden. Von den mehr als 220 Mitarbeitern werden laut einem Bericht des MDR nur noch 24 Angestellte ihren Job an dem Standort behalten.

Das Unternehmen reagiere damit auf die „negative Entwicklung des Absatzvolumens im Biermarkt in den vergangenen Jahren und stellt sich für die Zukunft neu auf“.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke (ehemals SED)) bezeichnet die bevorstehende Schließung auf seinem Twitter-Kanal als „Skandal“.

„Eine gut geführte Firma, mit über 220 Tariflich bezahlten guten Arbeitsplätzen, wirtschaftlich solide, schwarze Zahlen und auf Mehrweg Basis. Nun will man mit Einweg mehr Rendite erwirtschaften. Den Betrieb und auch die Umwelt zerstören“, schrieb der Linken-Politiker weiter.

Doch der Verschwörungsideologe verrät nicht, warum ein Unternehmen nicht marktwirtschaftlich denken soll. In Oettingen ist der Stammsitz des Bieres, in Bayern. Warum soll ausgerechnet die Niederlassung, welche der am dichtesten ist, offen bleiben?

Das vom Adelsgeschlecht derer von Oettingen im gleichnamigen Ort gegründete Brauhaus wurde 1333 erstmals urkundlich erwähnt. Das Fürstliche Brauhaus zu Oettingen wurde 1956 von der Familie Kollmar übernommen, die seit 1949 die erstmals 1731 erwähnte Forstquellbrauerei in Fürnheim betrieb.

Unter der Leitung von Günther Kollmar (1937–2013) wurde der Betrieb zur Oettinger Brauerei GmbH umgebildet. Nach Günther Kollmars Tod leitete dessen Sohn Dirk Kollmar kurzzeitig das Unternehmen, bevor auch dieser 2014 verstarb.

Die Brauerei lieferte zunächst an Lebensmittelmärkte und spezialisierte sich darauf, niedrigpreisige Biere zu brauen. Ab Anfang der 1990er Jahre wurde auf eine radikale Modernisierung zur Steigerung der Produktivität gesetzt. Auf Initiative von Günther Kollmar begann das Unternehmen die direkte Belieferung des Einzelhandels ohne Beteiligung von Großhändlern; außerdem wird auf Kooperationen mit der Gastronomie (z. B. Pachtverträge) verzichtet.

Am 1. August 2009 übernahm Oettinger von der Carlsberg-Gruppe die größte Braustätte Niedersachsens, die Feldschlößchen-Brauerei in Braunschweig, und führt sie unter dem Namen Brauerei Braunschweig weiter. Zeitnah wurden die nordostdeutschen Standorte Pritzwalk, Dessow (beide 2009) und Schwerin (2011) geschlossen.

Der Marktanteil von Oettinger in Deutschland liegt bei knapp 7 %. Die Jahresproduktion lag 2011 bei etwa 6,21 Millionen Hektoliter, dazu kommen 1,6 Millionen Hektoliter Handelsmarken und 1 Million Hektoliter alkoholfreie Getränke (Glorietta). Von 2004 bis 2013 war Oettinger das meistverkaufte Bier in Deutschland. 2014 wurde Oettinger von Krombacher von Platz 1 verdrängt.

Die Barth-Haas-Group listete Oettinger zum Ende 2021 auf Platz 25 der größten Brauereigruppen der Welt. Bei so einer erfolgreichen Geschäftspolitik bleibt trotz des minderen Geschmacks eigentlich nur zu sagen: Tschüss Bodo, Tschüss Thüringen.

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