Kartenzahlung

Viele vermeintliche Verschwörungstheoretiker sagten, dass Corona zur Abschaffung des Bargeldes dienen solle – unter anderem. Doch genau das Gegenteil wird nun der Fall, denn Corona offenbarte, wie anfällige die bargeldlose Bezahlung ist. Zahlreiche Geschäfte, allen voran Aldi, können aktuell keine Kartenzahlung anbieten.

Seit vergangenem Dienstag ist das bargeldlose Bezahlen aufgrund eines technischen Ausfalls vielerorts nicht möglich. Die schlechte Nachricht für Kunden: Das dürfte bei manchen Händlern noch tagelang so bleiben. Zwar gebe es inzwischen ein Update für das betroffene Zahlungsgerät des US-Herstellers Verifone, teilte der Frankfurter Dienstleister Payone am Wochenende mit. Die Version sei allerdings nicht stabil genug, um sie flächendeckend einzusetzen. Auch dürfte ausgerechnet der Corona-P(l)andemie zu verschulden sein.

Der Hintergrund: Der Ausfall resultiert aus einem Softwarefehler bei einem hierzulande sehr beliebten Kartenlesegerät – dem Modell „H5000“ der Firma Verifone. Es sei „das meistgenutzte Terminal in Deutschland“, wie der Hersteller auf seiner Internetseite wirbt. Diese Position hat das Gerät auch der vermeintlichen Corona-Krise zu verdanken.

Wegen der angeblichen und gesundheitsschädigenden – da übertriebenen – Hygiene wollten die sonst so bargeldverliebten Deutschen zunehmend mit der Karte zahlen. Diverse Zahlungsdienstleister statteten ihre Kunden in der Pandemie mit dem Modell aus, als plötzlich Kartenlesegeräte heiß gefragt waren.

Doch genau da scheint das Problem zu liegen: Es waren Restbestände, denn eigentlich werde das Gerät „im Neuverkauf nicht mehr angeboten“, betont Verifone. Das ist noch untertrieben: Das Gerät kam bereits 2012 auf den Markt, Ende 2018 wurde der Oldtimer offiziell aus dem Verkauf genommen.

Dass die Händler das Auslaufmodell überhaupt noch bis Anfang 2025 einsetzen dürfen, verdanken sie einer Übergangsfrist. Das Gerät unterstützt den aktuellen Sicherheitsstandard „TA 7.2“ der Deutschen Kreditwirtschaft bereits nicht mehr. Softwareupdates will der Hersteller nur noch bis 2023 liefern.

Welches Problem genau hinter dem Ausfall der Geräte steckt, ist bislang aber nicht abschließend geklärt. Ein plötzlicher Softwarefehler, ohne dass zuvor auch ein Update auf die Geräte gespielt wurde, ist bei einem derart bewährten Gerät unwahrscheinlich. Der Frankfurter Zahlungsdienstleister Payone hatte in einer ersten Mitteilung am Wochenende ein abgelaufenes Sicherheitszertifikat als Ursache erwähnt.

Die Softwarezertifikate dienen als eine Art Schlüssel zur Verifizierung der Kommunikation zwischen dem Dienstleister und dem Kartenlesegerät im Laden. Mittels der Zertifikate kann das Gerät prüfen, dass es tatsächlich mit dem richtigen Server verbunden ist. Diese Zertifikate haben immer ein eingebautes Verfallsdatum – es ist also Sache der Hersteller und Netzbetreiber, rechtzeitig neue Zertifikate anzubieten.

Sollte ein Zertifikat unbemerkt ablaufen, wäre das ein Fehler der Anbieter. Die Geräte würden wie im deutschen Einzelhandel geschehen schlagartig nicht mehr funktionieren. Das Problem: Neue Zertifikate können ohne funktionierende Netzverbindung, die mittels eines gültigen Zertifikates überprüft wurde, nicht einfach neu aufgespielt werden. Denn damit wäre eben die Vertrauenskette unterbrochen. Die Geräte müssten also per Hand durch Mitarbeiter der Anbieter vor Ort aktualisiert werden, um die Sicherheit der Geräte zu gewährleisten. Das aber dürfte Wochen dauern.

Doch H5000-Hersteller Verifone ist sich keiner Schuld bewusst. Der Ausfall liege keinesfalls daran, dass man ein abgelaufenes Zertifikat übersehen habe. „Wir möchten betonen, dass das Problem nicht mit dem Ablauf eines Zertifikats oder einer Sicherheitslücke zusammenhängt und keine Sicherheitsbedrohung darstellt. Vielmehr handelt es sich um eine Software-Fehlfunktion in der H5000-Software“, heißt es. Wie aber eine jahrelang reibungslos funktionierende Software plötzlich derart ausfallen konnte, erklärt Verifone nicht.

Alte Geräte, fehlerhafte Software – die Panne beim digitalen Bezahlen zeugt von etwas Größerem. Dass Händler Investitionen in neueste Technik scheuen, dürfte nämlich auch an der ungebrochenen Bargeld-Liebe der Deutschen liegen. Nur 15 Prozent der Bürger können sich vorstellen, auf Bargeld zu verzichten, wie jüngst eine Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) ergab.

Den Trend weg vom Bargeld im Einzelhandel sehen die Verbraucherschützer kritisch. Nach den jüngsten Pannen fühlen sie sich bestätigt: Die Probleme führten „die Risiken vor Augen, die eine zu starke Abhängigkeit unserer Wirtschaft von unbaren Zahlungsinstrumenten mit sich bringt“, sagte Claudio Zeitz-Brandmeyer vom vzbv. „Auch wenn bargeldlose Verfahren immer mehr an Bedeutung gewinnen, bleibt das Bargeld als sichere Alternative wichtig.“ Zeitz-Brandmeyer fordert ein Gesetz, damit überall im Einzelhandel in der Regel auch Bargeldzahlungen möglich sein müssen.

Zwar zückten die Verbraucher in den beiden vergangenen Pandemie-Jahren beim Einkauf schon deutlich öfter die Karte als in den Vorjahren. Dennoch wurde im vergangenen Jahr nur etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes im Einzelhandel (59 Prozent) mit der Karte generiert, wie eine aktuelle Erhebung des EHI Retail Institutes zeigt. Und nur etwas mehr als ein Drittel der Transaktionen (38 Prozent) wurde mit Kredit- oder Girokarten abgewickelt. Das liegt daran, dass Verbraucher vor allem kleine Beträge immer noch gern mit Münzen und Scheinen begleichen.

Und teils müssen: Cash-Only-Läden, in denen nur Bargeld angenommen wird, gibt es immer noch zuhauf. Laut dem Meinungsforschungsinstitut YouGov hat fast die Hälfte der Verbraucher im vergangenen Jahr mindestens einmal die Erfahrung gemacht, dass sie mit Karte zahlen wollten, aber nur Bargeld angenommen wurde. Wohl deshalb haben die meisten ohnehin einen Notgroschen im Portemonnaie.

Der Durchschnittsbürger trug im vergangenen Jahr rund 75 Euro an Bargeld bei sich. Das Ausland ist längst weiter: In Schweden, Finnland oder Norwegen werden mehr als zwei Drittel aller Käufe mit der Karte beglichen. In zahlreichen Geschäften wird Bargeld schon nicht mehr akzeptiert.

Geldautomaten sind von den technischen Problemen übrigens nicht betroffen. Das Terminal von Verifone kommt nur im Handel zum Einsatz. Die Versorgung mit Bargeld funktioniert also weiterhin. Ob es bereits zu einem Andrang an Geldautomaten gekommen oder damit noch zu rechnen ist, dazu gibt sich die Bankenbranche allerdings schweigsam.

Eine Nachfrage dazu will die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), in der sich die Spitzenverbände der Banken vereinen, jedenfalls nicht konkret beantworten. Nur so viel: „Banken und Sparkassen beobachten die Situation vor Ort und berücksichtigen punktuell höhere Bedarfe so weit wie möglich bei der Automaten-Befüllung“, erklärt eine DK-Sprecherin.

Erste Händler haben am Montag indes erklärt, das Problem gelöst zu haben. So vermeldete etwa Aldi Nord neue Fortschritte. Die Kartenzahlung werde „kurzfristig in allen Märkten wieder möglich sein“, sagte ein Sprecher. Zahlungsgeräte mit den Problemen würden durch neue Modelle ersetzt.

„Ein Teil der Märkte wurde bereits am Wochenende umgerüstet, die restlichen folgen in den nächsten Tagen.“ Und auch vom Discounter Netto heißt es, man habe seine betroffenen Kartenzahlterminals umgestellt. „Im gesamten Filialnetz von Netto Marken-Discount ist wieder EC-Kartenzahlung möglich.“

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