Die FREIEN BAUERN, Interessenorganisation der bäuerlichen Familienbetriebe, haben ihre Demonstration gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung auf die Grüne Woche getragen. Unter dem Motto „Treckerrundfahrt mit Stulle statt Messerundgang mit Häppchen“ fuhren heute morgen mehr als 300 Landwirte mit ihren Traktoren sowie Spediteure mit LKW und weitere Bürger im PKW laut hupend um das Messegelände. „Für mich und ganz viele Berufskollegen ist es angesichts der andauernden Proteste nur noch befremdlich, wenn Cem Özdemir und Joachim Rukwied sich da drinnen vergnügen wie jedes Jahr“, sagte Marco Hintze, stellvertretender Bundessprecher der FREIEN BAUERN, der die Demonstration angemeldet hatte: „Wir haben die allgemeinen Ankündigungen satt, solche schwammigen Fragestellungen wie im Antrag der Ampelkoalition. Wenn wir jetzt nicht grundsätzlich rangehen – die Marktmacht der Monopole brechen, den Preisdruck durch Importe senken – dann wird die Bundesregierung keine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.“

Die Vorschläge der FREIEN BAUERN liegen seit langem auf dem Tisch, werden von der Ampel aber bisher kaum beachtet. Hintze: „Wir brauchen noch in diesem Jahr die geplante Kartellrechtsreform und Entflechtungsanordnungen mindestens gegen Edeka, Aldi, Lidl, Rewe, DMK und Tönnies, Verordnungen über eine Vertragspflicht mit konkret bezifferten Mengen und Preisen für Milch und Vieh sowie eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für alle Lebensmittel.“ Sofort umgesetzt werden könne auch eine Aufhebung der zollfreien Einfuhr von ukrainischem Getreide und ein Abbruch der Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten, so der 51jährige Rindermäster aus dem brandenburgischen Krielow: „All das kostet kein Steuergeld, nur fehlt bislang der politische Wille. Vielleicht redet die Bundesregierung einfach mit den falschen Bauern.“

Aus Sicht Hintze sei es deshalb genau richtig gewesen, sich inhaltlich nicht auf die ideologiegetriebenen Steuererhöhungen festzulegen: „In unserem Land läuft mehr schief als kleinkarierte Haushaltsfragen.“ Im Kern gehe es um eine Umverteilung von unten nach oben zulasten des hart arbeitenden Mittelstandes, die durch ein klares Umsteuern auch in der Agrarpolitik beendet werden müsse. Besonders freuen sich die FREIEN BAUERN daher über die Unterstützung aus der Bevölkerung, die es in dieser Breite vorher nie gegeben habe, und warnen vor voreiligen Schlussfolgerungen. Hintze: „Ganz gleich, wie sich das Ausmaß der Proteste in den kommenden Tagen entwickelt, haben wir einen ganz starken Durchhaltewillen im Berufsstand festgestellt. Unsere Höfe haben schlimmere Zeiten überstanden. Wir räumen nicht das Feld.“

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