Psyche NRW

Die Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen sind im Corona-Jahr 2020 in Nordrhein-Westfalen auf Rekordhöhe gestiegen. Hier wurden 282Fehltage je 100 erwerbstätige DAK-Versicherte registriert, im Bundesdurchschnitt waren es mit rund 265 Fehltagen deutlich weniger. Im Vergleich zu 2010 bedeutet dies in NRW eine Zunahme um 54 Prozent. Mit einem Zuwachs von 18 Prozent war das Gesundheitswesen die Branche mit der deutlichsten Steigerung der Fehltage bei Depression und Co. Das geht aus dem aktuellen Psychreport der DAK-Gesundheit für Nordrhein-Westfalen hervor. Danach betraf der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr hauptsächlich die Frauen, bei den Männern verharrten die Fehlzeiten fast auf Vorjahresniveau. Ein psychischer Krankheitsfall dauerte 2020 durchschnittlich 43 Tage – so lange wie noch nie.

War bislang die öffentliche Verwaltung die Branche mit den meisten Krankschreibungen auf Grund psychischer Erkrankungen, so setzte sich im vergangenen Jahr das Gesundheitswesen an die Spitze. Die Belastungen durch die Pandemie wurden hier offensichtlich. „Die aktuelle Analyse zeigt zum einen, dass gerade Menschen mit psychischen Problemen besonders unter den Pandemie-Einschränkungen und -Belastungen leiden. Zum anderen wird sichtbar, wie unterschiedlich der Druck verteilt ist“, sagt Klaus Overdiek, Leiter der DAK-Landesvertretung in Nordrhein-Westfalen. „Das Gesundheitswesen ist bis an die Grenzen belastet – die Beschäftigten leiden darunter. Dagegen hat in der Verwaltung die Belastung scheinbar etwas abgenommen. Vielleicht ist auch die Arbeit im Homeoffice ein positiver Faktor gewesen“, so Overdiek weiter. Ziel müsse es sein, den Trend zu stoppen und den Betroffenen mit passenden Angeboten und Versorgungskonzepten zu helfen. Das sei gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie sehr wichtig.

Der Psychreport zeigt, wie sich in NRW bei den psychischen Erkrankungen 2020 das Verhältnis von kurzen zu langwierigen Fällen verändert hat: Bei kurzen Krankschreibungen bis zu drei Tagen gab es einen Rückgang um 26 Prozent, bei einer Woche von knapp einem Fünftel. Krankschreibungen von mehr als vier Wochen nahmen hingegen zu. Für den Psychreport hat das Berliner IGES Institut Daten von mehr als 431.000 bei der Kasse in Nordrhein-Westfalen versicherten Beschäftigten ausgewertet. Eingegangen sind alle Fehlzeiten, für die eine Arbeitsunfähigkeits- Bescheinigung mit einer psychischen Diagnose an die Kasse geschickt wurde. Ein zentrales Ergebnis: Die Anzahl der Fehltage ist so hoch wie noch nie und die durchschnittliche Dauer eines psychischen Krankheitsfalls hat ein Rekordniveau erreicht.

Unter Pandemie-Bedingungen steigen bei Frauen die Fehlzeiten um drei Prozent weiter an, während sie bei den Männern fast auf Vorjahresniveau verbleiben. So fielen bei DAK-versicherten Arbeitnehmerinnen 2020 rund 355 Fehltage je 100 Versicherte an. Männer kamen in beiden Jahren auf rund 219 Tage.

Depressionen verursachen 2020 mit 121 Fehltagen je 100 Versicherte weiterhin mit Abstand die meisten Fehltage. Hier gab es einen Zuwachs von fünf Prozent. Unter Pandemie-Bedingungen gewinnen die Anpassungsstörungen an Bedeutung: Es entfielen 64 Tage je 100 Versicherte auf diese zweitwichtigste Diagnose, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Mit Anpassungsstörung ist eine Reaktion auf ein belastendes Lebensereignis, zum Beispiel einen Trauerfall, gemeint. Dies kann sich in negativen Veränderungen des Gemütszustandes oder auch in Störungen des Sozialverhaltens ausdrücken.

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