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Berlin (ots)Fast jeder Dritte hat sein Mobilitätsverhalten während der Corona-Pandemie geändert. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (dena) hervor. Am stärksten betroffen ist der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) sowie die Bahn. 47 Prozent der ÖPNV und 40 Prozent der Bahnfahrenden geben ein verändertes tägliches Mobilitätsverhalten an. Bei regelmäßigen Pkw-Nutzern sind dies nur 26 Prozent. Rad- und Fußverkehr profitieren prozentual am stärksten von der Entwicklung: 37 Prozent bzw. 35 Prozent der Befragten geben an, deutlich oder etwas häufiger per Rad oder Fuß unterwegs zu sein.

Den eigenen Pkw nutzen 16 Prozent häufiger, 32 Prozent nutzen das eigene Auto hingegen weniger häufig. Für vier von fünf Befragten war der Pkw bereits vor der Pandemie ein regelmäßig genutztes Fortbewegungsmittel. Dies trifft für 55 Prozent der Befragten auf das Rad und 38 Prozent bzw. 31 Prozent auf ÖPNV und Bahn zu. Als Gründe für das veränderte Mobilitätsverhalten werden neben der Ansteckungsgefahr (56 Prozent) auch veränderte Freizeitgestaltung (48 Prozent) und die vermehrte Arbeit im Homeoffice angegeben (46 Prozent).

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung: „Radfahrten und der Weg zu Fuß sind die großen Gewinner dieses auch für die Mobilität bemerkenswerten Jahres. Das ist eine erfreuliche Nachricht, die sich Städte bei den Planungen von Verkehrskonzepten zunutze machen sollten. Die schlechte Nachricht ist, dass der Öffentliche Verkehr stark von Pandemie-bedingten Verhaltensänderungen betroffen ist. Hier sollten alle Beteiligten daran arbeiten, das Schutzkonzept so positiv wie möglich zu gestalten und für weiteres Vertrauen zu werben. Denn ohne den ÖPNV ist die Verkehrswende nicht zu schaffen. Erfreulicherweise fällt der Wechsel zum Pkw deutlich niedriger aus als bisweilen befürchtet. Die Umfrage zeigt auch: Ein großer Teil der Menschen will Anpassungen der Verkehrsinfrastruktur, die klimafreundliche und im Übrigen auch gesundheitsfördernde Mobilität möglich macht. Entscheidungsträger in den Städten und Kommunen sollten das als Ermutigung nehmen, erforderliche Anpassungen entschlossen anzugehen.“

Insgesamt 66 Prozent der regelmäßigen ÖPNV-Fahrenden gaben an, in Corona-Zeiten seltener das öffentliche Angebot zu nutzen. Die beliebtesten Alternativen sind Fahrradfahren (43 Prozent), zu Fuß gehen (40 Prozent), Sharing (34 Prozent) und das eigene Auto (29 Prozent). Beim Pkw gleicht sich während der Corona-Pandemie der Generationenunterschied etwas an: Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren nutzen 34 Prozent häufiger und 26 Prozent weniger häufig den eigenen Pkw. Bei den Befragten über 30 Jahren gab es hingegen eine deutliche Tendenz, das Auto weniger häufig zu nutzen.

Besonders die ÖPNV-Nutzenden haben die Angst vor Infektion als Grund für Veränderung des Mobilitätsverhaltens angegeben (69 Prozent), ähnliche verhält es sich bei Menschen, die regelmäßig mit der Bahn gefahren sind (64 Prozent). Auch die Mehrheit der Befragten, die bereits vor Corona andere Fortbewegungsmöglichkeiten bevorzugt haben, geben die Ansteckungsgefahr als wichtigsten Grund an, den ÖPNV zu meiden (zwischen 53 und 56 Prozent).

Eine höhere Taktung von Bussen und Bahnen (91 Prozent) und die Ausweitung von Fahrradwegen (69) werden als besonders sinnvolle Einzelmaßnahmen für den zukünftigen Verkehr gesehen. Die Abschaffung von Busspuren, um temporär mehr Pkw-Verkehr aufzunehmen, werden mehrheitlich abgelehnt (83 Prozent). Immerhin 59 Prozent haben auch Gefallen an der kurzfristigen Einrichtung von Pop-Up-Fahrradwegen gefunden. 40 Prozent wünschen sich sogar eine Verlängerung dieser Maßnahme über die Corona-Krise hinaus. 34 Prozent allerdings haben sich grundlegend gegen eine solche Maßnahme ausgesprochen.

Zur Umfrage

Die Umfrage wurde von der Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH (Forsa) im Rahmen der dena-Projekts „Neukonzipierung, Entwicklung und Betrieb einer zentralen Informationsplattform zur Energiewende im Straßenverkehr“ durchgeführt. Telefonisch befragt wurden 1.002 Personen der deutschsprachigen Bevölkerung in Privathaushalten ab 18 Jahren.

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