Reiche BauernSind Bauern wirklich so reich?

Nachdem die Bauern erst in den Medien als rechtsextrem geframed wurden, folgte vor wenigen Tagen die nächste Eskalationsstufe, um den legitimen und berechtigten Protest zu diskreditieren. Die Landwirte hätten ja Rekorderlöste erzielt und bräuchten daher gar keine Subventionen. Doch ist das wirklich so? Und was verdient ein deutscher Bauer wirklich?

Da muss man erstmal die verschiedensten Formen von landwirtschaftlichen Betrieben unterscheiden. So gibt es etwa Haupterwerbsbetriebe und Nebenerwerbsbetriebe. Dann gibt es aber noch die juristischen Personen, sprich Kapitalgesellschaften und dergleichen, die einen erheblichen Flächenvorteil haben und natürlich entsprechende Gewinne erzielen.

Das vor allem im Meinungsaustausch in sozialen Medien oft zitierte Durchschnittseinkommen der Bauern soll zwischen 48.083 und 46.118 Euro pro Jahr je Arbeitskraft liegen. Allerdings ist das auch noch ein Bruttoeinkommen. Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und dergleichen sind noch gar nicht berücksichtig. Hinzu kommt, dass diese Zahlen, die aus dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft stammen, ein Durchschnittseinkommen sind, welches nichts aussagt.

Heranzuziehen ist hier das Medianeinkommen. Das mittlere Einkommen oder Medianeinkommen in einer Gesellschaft oder Gruppe bezeichnet die Einkommenshöhe, von der aus die Anzahl der Haushalte (bzw. Personen) mit niedrigeren Einkommen gleich groß ist wie die der Haushalte mit höheren Einkommen. Damit definiert der Median das mittlere Einkommen. Nimmt man nur ein Durchschnittseinkommen, ziehen die Mitglieder der juristischen Personen im Ackerbau den Gewinn gewaltig nach oben. Oftmals sind das Firmen, die sich gar nicht beschweren bräuchten und entsprechend auch nicht auf den aktuellen Demonstrationen zu finden sind.

Dieses Medianeinkommen liegt dann nämlich bei 33.500 Euro brutto. Dies ist aus der selben Quelle wie die Zahlen oben entnommen, welche zahlreich in sozialen Medien geteilt wurden, um den Protest in Verruf zu bringen und die Mär vom reichen Bauer zu stärken. Somit bleibt dem einzelnen Bauern im Monat 2.700 Euro brutto. Krankenversicherung und Rentenversicherung sind knapp 500 Euro. Bleibt ein Rest von 2.200 Euro und davon gehen noch Steuern ab. Die Einkommenssteuerberechnung für Landwirte ist recht kompliziert, aber es geht nochmal was runter.

Wie die Agrarheute schon 2020 berichtete, arbeitete ein Landwirt von allen Erwerbstätigen in Deutschland am längsten pro Woche. Im Durchschnitt sind das 48,8 Stunden. Hinzu kommt allerdings, dass es häufig Tage gibt, an denen Landwirte auch bis zu 14 Stunden arbeiten müssen und das Vieh natürlich auch an Sonn- und Feiertagen versorgt werden muss.

Jetzt gilt hier natürlich zu fragen, wer von denjenigen, die vom reichen Landwirt sprechen, mit diesen tauschen möchte? Ein durchschnittlicher Arbeitsmonat hat 4,35 Arbeitswochen. Das macht für einen Landwirt 212,28 Stunden Arbeit pro Monat. Das ergibt einen Stundenlohn von 12,72 Euro. 31 Cent über den aktuellen Mindestlohn.

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Obwohl nur ein einziger Journalist mit der gelegentlichen Unterstützung zahlreicher ebenfalls freiberuflicher Kollegen und Ehrenamtler hat Stefan Raven News seit 2020 immer wieder Dinge aufgedeckt, die andere Medien erst später berichteten. Leider sehen es diese Medien nicht als angebracht an, den Erstberichterstatter (uns/mich) zu nennen, wie es im Journalismus Gang und Gebe ist. Einige haben uns sogar schon gelegentlich die Stories im wahrsten Sinne des Wortes geklaut. Das ist kein netter Umgang zwischen Kollegen.

Auf der anderen Seite werde ich auch immer wieder von politischen Extremisten angezeigt. Die Vorwürfe nennt man mir noch nicht einmal. Die Anzeigen stellen sich nach zwei Monaten von alleine ein. Es scheint hier vermutlich darum zu gehen, unliebsame Berichterstatter wegen ihrer hohen Trefferquote an Aufdeckungen einzuschüchtern. Funktioniert leider nicht, da weder ich, noch meine Kollegen uns jemals etwas zu schulden kommen lassen. Um ehrlich zu sein, motiviert uns dieses sogar noch, noch weiter zu bohren, noch mehr nachzuhaken und erst Recht über bestimmte Themen zu schreiben.

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4 Gedanken zu „Reiche Bauern? Wieviel verdienen Landwirte in Deutschland wirklich?“
  1. 14h/Tag 🤣, ich kann mich sehr sehr gut erinnern, wie ich in der Saison teilweise 20h am Stück beim Dreschen war. Wo andere beim Baden an den Seen lagen. Und das über Wochen.

    1. „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ hieß mal ein Roman. Ich bin sicher, dass Sie oft nach 14 oder gar 20 Stunden „auf dem Bock“ geweint haben. Vor Erschöpfung, Verzweiflung und/oder Wut. (Mir ging´s jedenfalls so in 50 Stunden Nachtarbeit bei der US-Armee. Bis eines Nachts weiße Elefanten über die Autobahn wandelten und ich vom Brems-Ruck wieder wach wurde.) Wenn ich solche Arbeitszeiten wie die von Ihnen genannten höre, bin ich versucht zu glauben, dass die Landwirte nicht nur für verbilligten Diesel auf die Straße gehen. So viel Wut „wegen ein paar Cent“? Da steckt mehr Wut und Wucht dahinter.

  2. Zufällig begannen vor exakt 500 Jahren „die Bauernkriege“ Im Kampf gegen weltliche und kirchliche Fronherren sprangen 70 000 Bauern über die Klinge. – Genau ein halbes Jahrtausend später gehen sie wieder auf die Straße, und die Staatsmedien ziehen die Berechtigung ihrer Forderungen in Zweifel. Herzlichen Dank an Stefan Raven für diesen erhellenden Beitrag. Wie hart das Leben auf einem Kleinstbetrieb nahe Landshut in BY war, bekam ich in vielen Ferien in den 50er bis 70er Jahren mit. Eltern, Oma und 5 Kinder arbeiteten auf einem Anwesen mit 7 (sieben) Hektar eigenem und ein paar Hektar gepachtetem Grund. Dazu Schweine, 6 Kühe und Hühner. Der museale Lanz-Bulldog hatte 17 PS. Nach der Ernte trug Onkel Martin Doppelzentner für Doppelzentner 3 Stockwerke hoch in den Trockenspeicher. Ausserhalb der Ernte schleppte er Säcke im Lagerhaus. Schon lange keine Landwirtschaft mehr, steht das Anwesen heute wunderbar da. Blumen auf jedem Balkon, gedüngt mit dem Schweiß von Generationen. Vor den Landwirten in Deutschland auf der ganzen Welt habe ich großen Respekt. Für die Funktionäre der Ampel und der EU nur Verachtung.

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