AstraZeneca

AstraZeneca ist wegen den Coronaimpfungen aktuell in aller Munde. Doch ist dies nicht das erste Mal, dass der britische Hersteller von Medikamenten in die Kritik geriet. 2001 bestach das Unternehmen indirekt 30.000 deutsche Ärzte. Mit Erfolg.

Neue Medikamente werden für zehn Jahre patentiert. In dieser Zeit verdienen Pharmakonzerne mit von ihnen herausgegebenen Medikamenten besonders viel Geld. Danach kommen „Nachahmungen“ von Konkurrenten auf den Markt, wodurch der Preis sinkt. So lief zur Jahrtausendwende das Patent für das AstraZeneca-Produkt Prilosec aus. Ein Mittel gegen Sodbrennen, das die Bildung der Magensäure hemmt. Und dies tat es sehr erfolgreich.

Doch wollte AstraZeneca nun natürlich keinen niedrigeren Preis für ein Medikament hinnehmen und weiter das große Geld verdienen. Also entwickelte der britische Konzern Nexium Mups. Bei Prilosex war der Wirkstoff Omeprazol. AstraZeneca änderte hiervon die Zusammensetzung ein wenig, benannte den „neuen“ Wirkstoff Esomeprazol und gab anschließend eine halbe Milliarde Euro für einen gewaltigen Werbefeldzug aus – der sich aber lohnte.

Um den Vorteil des neuen Produktes anzupreisen, griff der Pharmariese zu zweifelhaften, aber legalen Methoden. Wie die Wissenschaftsautorin Marcia Angell schreibt: „Sie verglichen 20 und 40 Milligramm Nexium mit 20 Milligram Prilosec. Mit derart gezinkten Karten sah Nexium wie eine Verbesserung aus – die aber nur geringfügig war und sich nur in zwei der vier Studien zeigte.“ Dies heißt, man vergleicht eine niedrige Dosierung des älteren Medikaments mit einer teilweise höheren Dosierung des neuen Präparats und kann damit einen geringen Fortschritt zeigen.

Dieses Medikament entwickelte sich zu einen Kassenschlager in Deutschland, aber auch international. Es war auch eine der erfolgreichsten Neueinführungen des dritten Jahrtausends. Doch die Kassenärztliche Vereinigung hat das Präparat als unwirtschaftlich gebrandmarkt. Warum also wird es verordnet? Hierzu griff AstraZeneca wieder in eine Trickkiste. Dieser Trick nennt sich „Anwendungsbeobachtung“. Allein in Deutschland hat AstraZeneca ca. 30.000 Ärzten Geld dafür bezahlt, dass diese die Wirkung von Nexium an ihren Patienten beobachten. Dies betraf damals also jeden vierten niedergelassenen Arzt in Deutschland, der für die Verschreibung des Medikaments Geld vom Pharmariesen bekam – der wiederum ein Vielfaches daran verdiente.

Hätten die Ärzte diesen schmutzigen Deal nicht mitgemacht, hätten die deutschen Krankenkassen allein im Jahr 2005 99 Millionen Euro gespart. Wenn wir bedenken, dass wir 50 % der Krankenkassenbeiträge benötigen, um Medikamente zu bezahlen, von denen wir über die Hälfte nicht benötigen, dann ist dies noch nicht einmal die ganze Spitze des Eisbergs. Wir werden fortlaufend berichten.

Quelle und Datengrundlage für diesen Artikel: Kranke Geschäfte: Wie die Pharmaindustrie uns manipuliert.

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