Gleichberechtigung

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat zum internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft (den Tag gibt es wirklich) mitgeteilt: „Wir brauchen im 21. Jahrhundert mehr Frauen in Spitzenpositionen von Wissenschaft und Forschung.“ In dieser Pressemitteilung fordert sie daher eine Umsetzung von diesem Wunsch und dass der Staat noch nachhelfen müsse, um dieses Ziel zu erreichen. Was das konkret bedeutet und warum das den Frauen schadet und Wissenschaft und Forschung schwächt, haben wir euch hier aufgearbeitet.

Natürlich lasen wir die Pressemitteilung sorgfältig. Außer, dass in Spitzenpositionen tatsächlich weniger Frauen vertreten sind und den Wunsch der Forschungsministerin konnten wir aber keine Begründung für die in der Überschrift getätigten Äußerung finden. Folglich fragten wir bei der Pressestelle des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nach. Ein Sprecher teilte uns mit:

„Entsprechend den Vorgaben des Grundgesetzes ist der Staat verpflichtet, die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern zu verwirklichen und dazu in Fällen von Gleichstellungsdefiziten auch fördernd tätig zu werden.

Deutschland hat eine bestausgebildete Frauengeneration. Junge Frauen erwerben in gleich hoher Anzahl wie junge Männer das Abitur, stellen die Hälfte der jungen Menschen, die ein Studium aufnehmen und sind auch an Promotionen mit mehr als 40 Prozent vertreten. Diese talentierten Frauen sind jedoch nicht in adäquaten Umfang in den unterschiedlichen Entscheidungs- und Gestaltungspositionen unserer Gesellschaft vertreten. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf strukturelle Gleichstellungsdefizite. Die angemessene Partizipation von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen ist eine Gerechtigkeitsfrage, die angesichts der gegebenen Sachlage nach den grundgesetzlichen Vorgaben staatlicher Maßnahmen bedarf.“

Eine derartige Klausulierung konnten wir im Grundgesetz allerdings nicht finden. In Artikel 3, Absatz 2 heißt es „lediglich“: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Sind Frauen benachteiligt, weil sie weniger in bestimmten Berufen oder Positionen vertreten sind? Die Möglichkeiten stehen ihnen offen. Und eine staatliche Eingriffspflicht entstünde erst dann, wenn die am besten qualifizierte Person, die natürlich auch menschlich (denn auch das ist wichtig) in die entsprechende Position passt, nicht eingestellt wird, weil sie eine Frau ist.

Weiter wird angeführt, dass Deutschland eine gut ausgebildete Frauengeneration besitzt, dass gleich viele Frauen Abitur machen wie Männer. Sie stellen ebenfalls die Hälfte der Personen, die ein Studium aufnehmen und machen über 40 Prozent aller Promotionen aus. Soweit so gut. Dies ist gut und ein Zeichen dafür, dass die Gleichberechtigung und die Chancengleichheit in Deutschland gelebt wird. Moniert wird hier, dass sich in wissenschaftlichen und Forschungspositionen der Ansicht des Bundesministeriums nach zu wenig Frauen befinden.

Hierzu hat Dr. Hans Hofmann-Reinecke, der in München und Berkeley Physik studiert hat und dann Professor an der Universität in Santiago de Chile war, in seinem neuesten Buch „Grün + dumm … reloaded“ ein an der Logik orientiertes Fallbeispiel gegeben, welches wir hier in verkürzter Form widergeben möchten.

Auf Seite 48 schreibt dieser in besagtem Werk über das Fallbeispiel QUICKFLY. Dort hat das damals neugegründete Unternehmen 100 Personen zwischen 20 und 25 Jahren gesucht, um eines Tages die Boeings und Airbusse der Airlines steuern zu dürfen. Also Pilotenschüler. Es nahmen um die 500 Teilnehmer an einem einwöchtigen Bootcamp teil. Es gab eine Punktezahl zwischen 0 und 100 %. Die besten 100 – die also genommen wurden – erreichten alle eine Prozentzahl von 85 % oder mehr. Dabei nahm man keine Rücksicht darauf, ob die Bewerber Männer oder Frauen waren. So sollte das sein. Gerade bei einem so verantwortungsvollen Beruf, wie den des Piloten.

Doch dann kam hier der Wirt. Nicht in Form des Staates, der sich einmischte, sondern in Form der Gewerkschaft für fliegendes Personal. Diese bemängelte, dass von den eingestellten Personen 80 Männer waren und nur 20 Frauen. Es sollten laut Gewerkschaft aber 50 % Frauen sein. Jetzt passierte Folgendes mit dem Cut von 85 %. Der Cut der Männer stieg an auf 89 % und der der Frauen sank auf 55 %. Somit wurden 50 Männer und 50 Frauen eingestellt. Doch ist damit das Ziel erreicht, die geeignetsten Kandidaten für den Beruf des Piloten zu gewinnen?

Gehen wir noch einmal zurück zu Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Nun hatten also Männer und Frauen die gleichen Chancen, aber besser qualifiziertes Personal wurde nicht eingestellt, weil es sich um Männer handelte? Wird hier der Sinn des im Grundgesetz verankerten Prinzips durch solcherlei Einmischungen nicht außer Kraft gesetzt? Wird dem nicht sogar entgegengehandelt, wie all zu oft in den letzten Jahren?

Gucken wir uns noch einmal die 500 Bewerber an. Davon waren 400 Männer und 100 Frauen. Das macht eine Frauenquote von 20 %. Bei denen, die zu den besten 100 gehörten waren 80 Männer und 20 Frauen. Auch dies macht eine Frauenquote von 20 %. Es bekommen also prozentual mehr Frauen pro Bewerbungsplatz eine Stelle als ein Mann mit womöglich besseren Fähigkeiten? Und wie man an den Zahlen sieht, war das Interesse daran, Pilot zu werden, anteilig an den beiden real existierenden Geschlechtern geringer bei den weiblichen Bewerbern. Hofmann-Reinecke schreibt in seinem Kapitel abschließend: „Die Frau am Steuer wird also auch die Luft erobern, so wie sie das auf den Straßen dieser Erde schon getan hat. Sie schafft das, ohne dass man sie dazu drängt oder protegiert. Quoten stellen eine Vergewaltigung der Realität dar und sind eine Quelle für Probleme. Das Anerkennen der Wirklichkeit aber schafft Erfolg und Frieden.“

Man sieht also, es gibt nicht nur keinen Grund für das staatliche Eingreifen in die Wahl geeigneter Kandidaten für Beruf und Wissenschaft, es schadet dieser auch. Und wirtschaftlich, als auch wissenschaftlich muss man sehen, dass Länder, die durch diese Einstellungspflicht von Staatsseite geringere Qualität schafft als Länder, in denen es diese Quote nicht gibt, große Nachteile erleidet. Wenn man von der Globalisierung ausgeht und Deutschland als Wissenschaftsstandort und Dienstleistungsland bezeichnet, dann ist gerade hier die staatliche Regulierung von geschlechtsspezifischen Einstellungsverpflichtungen der Sargnagel in eine sichere wirtschaftliche Zukunft unseres Landes.

Politiker müssen wieder lernen, dass wir mündige Menschen sind und ihre Bevormundung in allen Bereichen unseres Lebens nicht benötigen und auch nicht wollen. Die Regierungen sind da, um uns vor äußeren Feinden, aber auch vor Kriminellen zu schützen, nicht, um unser Leben zu lenken. Und Gesetze, allen voran die Verfassung (Grundgesetz, siehe oben) sind dazu da, um uns vor der Regierung zu schützen. Diese werden doch in den letzten Jahren vermehrt gebeugt und umgeschrieben, um die Regierung vor dem Volk zu schützen – was nötig ist, da diese uns bevormunden möchte, wir das aber weder nötig haben, noch dulden. Mit allen Mächten wird von Menschen ohne Bezug zum realen Leben der Bürger versucht die Werte der Aufklärung rückgängig zu machen und Deutschland zurück in einen Hörigkeitsstaat zu verwandeln. Schließlich waren die Aufklärer ja auch das Feindbild der Ideologen: böse, alte weiße Männer. Wohlgemerkt – man könnte anmerken, unter den Aufklärern gab es keine Frauenquote. Wenn Ideologie weiter über Logik obsiegt, wird aber bald keiner mehr wissen, was der Geist der Aufklärung vermittelte. Die Regierenden scheinen es schon jetzt nicht mehr zu wissen.

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Teilweise, weil das die einzige Möglichkeit ist, wie man an der Macht bleibt und 60% Zustimmungsquoten in Moskau bekommt. Aber auch weil wir das Versprechen nicht hielten, das George H. W. Bush und Jim Baker dem damaligen Außenminister der Sowjetunion, aus der ja dann Russland wurde, Eduard Schewardnadse, und Gorbatschow und später Jelzin gaben. Und Jim sagte nahezu wörtlich, dass dafür, dass ihr (Anm. d. Autors: die Sowjetunion) kein Geheule über den größten diplomatischen Triumph des späten zwanzigsten Jahrhunderts die Wiedervereinigung Deutschlands anstimmt, wir mit der NATO keinen Zoll weiter nach Osten rücken würden; das sind Jim Bakers Worte. Was tat Bill Clinton? Er ging keinen Schritt weiter nach Osten. Nein. Bei ihm waren es ganze Länder. Er und Obama hielt das aufrecht beabsichtigte sogar Georgien und die Ukraine (Anm. d. Autors: in die NATO aufzunehmen). Wir stifteten sogar die Revolution in Kiew an. Was sollte Putin tun? Ein Drittel der sowjetischen (Anm. d. Autors: Er müsste hier wohl »russischen« sagen) schweren Waffen kommen aus der Ukraine. Die wichtigste Marine-Basis, nein Basen, Sewastopol und Odessa sind dort. Odessa könnte als nächstes dran sein, es ist militärisch sogar wichtiger als die Krim. Was sollte er angesichts einer solchen Stichelei, einer solchen Kampfansage tun?« 1 Weiterführende Literatur findet man insbesondere in Kees van der Pijls Buch über den Abschuss von MH17 (PapyRossa Verlag). Gleiches gilt für die Analyse der Schüsse auf dem Maidan, die von Ivan Katchanovski auf Academia.edu verfügbar ist. Aus diesem Grund wird über die Schüsse auf dem Maidan als auch den Abschuss von MH17 in diesem Buch nur am Rande eingegangen. Das Buch zeigt auf, dass fast alle Voraussagen, welche die Kritiker der Regierung der EU, der NATO und Deutschlands schon 2014 uns 2015 angebracht hatten, berechtigt waren.

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