Wildschweine, Wölfe und vereinzelt Bären kommen in Deutschland und Nachbarländern in den Wäldern vor. Alles Tiere, die den Menschen nahezu um jeden Preis meiden (Wildschweine in Großstadtregionen ausgenommen) und Begegnungen gehen meistens ohne Zwischenfälle aus. Kommt es zu Zwischenfällen, bzw. handelt es sich beispielsweise um ein neugieriges und unerfahrenes Jungtier, wird man diese Begegnung mit der richtigen Verhaltensweise ebenfalls konfliktfrei beenden können. Doch was passiert in den ganz wenigen Ausnahmefällen, wo wir wirklich von Erfahrungen im Promille-Bereich sprechen?

Ich sage es euch, wie es ist, ihr werdet im Wald – sofern ihr nicht auf der Pirsch seit und euch entsprechend verhaltet – auf nahezu keines dieser drei Tiere treffen. Wegen meiner Wohnsituation in Berlin habe ich selbst allerdings schon in einer dreistelligen Zahl Kontakte mit Wildschweinen gehabt. Angegriffen wurde ich zwei Mal, einmal aus dummen Zufall und gegenseitigem Erschrecken heraus, einmal wegen meiner eigenen Dummheit. In letzterem Fall bewahrte mich mein Reizgas vor dem Schlimmsten. In ersterem Fall wurde ich von einer Bache mit Frischlingen umgerannt, diese ist danach direkt verschwunden. Ich habe sehr viel Glück gehabt und bin dem Tier in keiner Weise böse. Ebenfalls war dies ein extremer Zufall und ich möchte Wildschweine auf keinen Fall als gefährliche Tiere darstellen. Sie sind wunderbar und friedlich – können sich aber auch wehren, wenn sie sich bedroht fühlen.

Einen Wolf habe ich dagegen noch nie gesehen. Auch, wenn dies wunderschöne Tiere sind, bin ich dafür auch dankbar. Das liegt nicht daran, dass ich Wölfe für gefährlich halte (ich bin ja kein Reh oder Weidetier), sondern dass auch mich Filme, Schreckensnachrichten und Stereotype über mehr als vier Jahrzehnte geprägt haben. Am 20. April 2024 war ich fast 45 km im Revier des Barnimer Heide Rudels unterwegs, welches neunköpfig ist und damit eines der größten Wolfsrudel in Deutschland. Über 20 km hinweg habe ich keinen einzigen Menschen gesehen, was schon etwas gruselig auf mich wirkte. Aber selbst dort bin ich keinem Wolf begegnet, lediglich eine Fußspur fand ich, wo ich mir aber nicht zu 100 % sicher war, ob es nicht doch auch ein großer Hund gewesen sein könnte.

Und von Bären haben ich noch nicht einmal Spuren oder Losungen gesehen, allerdings ist es auch schon lange her, dass ich in Gebieten unterwegs war, wo es auch Bären gibt.

Ob nun Bär, Wolf oder Wildschwein, alle diese Tiere werden euch meiden. Bei Berichten und Videos im Internet handelt es sich um ganz, ganz wenige Ausnahmen und Einzelfälle, wo meistens der Mensch Schuld an der Konfrontation hat. Wie ihr euch gegenüber einzelnen Tieren am besten verhaltet, könnt ihr selbst im Internet recherchieren, dazu gibt es genug, was geschrieben ist oder auch in Videos vermittelt wird. Achtet halt nur darauf, dass es eine seriöse Quelle ist und nicht nur jemand ist, der mit dem Hashtag „Wolfsangriff“ Klicks generieren möchte und dann irgendeinen Quatsch erzählt, wie beispielsweise der englischsprachige YouTube-Kanal „How to survive“. Der NABU ist meines Erachtens z. B. eine sehr gute Anlaufstelle, es gibt aber auch zahlreiche lokale Einrichtungen, die mit diesen drei Tieren geschult sind und qualifizierte Informationen abgeben können.

Doch was tun, wenn es tatsächlich zum Angriff eines Tieres auf euch kommt? Kurz gesagt, beim Bären hinlegen, auf den Bauch, Kopf und Nacken mit den Armen schützen und das Beste hoffen. Wildschwein und Wolf auf den Baum oder woanders hin, wo die Tiere nicht hinterherkommen. Kämpfen könnt ihr vergessen, ihr werdet mit aller Wahrscheinlichkeit nicht gewinnen, wenn das Tier es ernst meint. Falls ihr aber bereits in einem Kampf verwickelt seid, dann müsst ihr alles geben, ohne Kompromisse. Ich habe darum für diese extrem unwahrscheinlichen Fälle, dass mich ein Wildtier attackieren sollte und es sich nicht gerade um eine wütende Stockente handelt, bei meinen Draußen-Aktivitäten immer ein extrem starkes Reizgas dabei. Dieses erspart nicht nur euch, sondern auch dem Tier Schlimmeres im Fall der Fälle, denn davon erholen sich die Tiere wieder und merken sich: Finger weg vom Menschen.

Doch welches Reizgas ist nun wirklich tauglich? Hersteller versprechen für den Verkauf Vieles. Darum kurz die Erklärung, wie ihr erkennen könnt, ob ein Spray gut ist oder nicht. Es gibt dort neben den zahlreichen Versprechen unterschiedliche Angaben und Berechnungsgrundlagen. Am Häufigsten findet ihr die Anwendung von dem Begriff SU, wessen Wert sich meistens bei 2 bis 3 Millionen bewegt. Hinzu kommt die reale Schärfe in Prozent. Steht z. B. auf dem Etikett 2 Millionen SU (2 Millionen Scoville Heat Units) und ein Wert von 11 % OC (Oleresin Capsicum), dann hat das Spray eine reale Schärfe von 220.000 SU. Alternativ gibt es noch Angaben wie etwa 1,5 % Capsaicinoide. Demnach enthält das Produkt maximal 1,5 % von 16 Millionen Scoville Units des reinen Capsaicins. Das entspräche etwa 240.000 SU. Das ist in etwa auch die Marge, in der sich die meisten Pfeffersprays bewegen.

Das Reizgas, welches ich bei mir trage und zum Glück noch nie anwenden musste, hat eine reale SU von 720.000. Damit ist es mehr als drei Mal so stark wie der Großteil von Reizgasen. Es enthält den Wirkstoff PAVA (Nonivamid). PAVA bietet als Reinstoff eine Schärfe von 9.000.000 SU und davon 8% ergeben eine extrem starke Wirkung auf den Angreifer. Hinzu kommt die Verbindung mit Stinkstoffen, welche für sich allein auch schon eine KnockOut-Wirkung haben. THT-Tetrahydrothiophen kann zu Augenreizung, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen führen. Die extremem Stinkstoffe führen zu Orientierungslosigkeit. Der Effekt wird zudem durch reizenden und klebrigen Buchenholzteer verstärkt. Ebenfalls erfolgt eine Markierung durch roten Farbstoff, z. B. für die Polizei oder den Jäger, wenn das Tier außergewöhnlich aggressiv gewesen sein sollte. Z. B. bei Tollwut im europäischen Ausland.

Das Spray hat einen konischen Hochdrucksprühstrahl mit 5 Bar Austrittsdruck, welche ihm eine enorme Geschwindigkeit und damit auch die erforderliche Treffsicherheit verleiht, die ein Ausweichen unmöglich macht. Eine Dose mit 50ml Inhalt enthält in etwa so viel Reizstoff, wie 10 Stück 9mm Reizstoffpatronen (mit PAVA gefüllt) für Schreckschusswaffen. 

Kurz zusammengefasst, dieses Reizgas bläst einer Rotte Wildschweine aus 5 Meter die Läuse aus dem Fell und bewahrt euch vor einem vollendeten Angriff. Doch aufgepasst! Verwendet das wirklich nur, wenn es nicht mehr anders geht. Wenn euch ein Tier wegen Neugierde oder dergleichen „lediglich“ verfolgt oder euch anderweitig zu nahe kommt, könnt ihr erst auch einmal auf den Boden vor dem Tier sprühen, ihr müsst und solltet ihm da auch nicht gleich die volle Packung verpassen. Ist das Tier auf zwei bis drei Meter an euch ran und es ist klar und nicht anders interpretierbar, als dass es ein Angriff ist, dann würde ich das Spray erst einsetzen, sonst nicht. Ihr könnt darauf vertrauen, dass das Spray die entsprechende Wirkung entfalten wird. Der Angriff ist sofort beendet, das Tier läuft nicht noch weiter wie bei einem Streifschuss oder Ähnlichem. Da ist Schicht im Schacht. Allerdings achtet auf die Windrichtung. Sprüht ihr gegen den Wind und euch ins Gesicht, dann ist das „eher schlecht“, würde ich das jetzt formulieren. Ihr währet dann KO und dem Tier ausgesetzt. Eine Person, die das Spray aus 5 Metern an sich selbst getestet hat, äußerte, dass er 10 Minuten lang dachte, dass es das gewesen sei und er jetzt sterben würde. Eine Verteidigung gegen ein Tierangriff ist dann definitiv nicht mehr möglich.

Alles in allem gilt aber, ihr werdet selten bis gar nicht eines dieser drei Tiere zu Gesicht bekommen. In den 1 % der Fälle, wo ihr sie seht (meistens Wildschweine), reißen diese unabhängig von ihrer Art sofort aus, sobald sie euch wittern. In dem davon 1 %, wo sie es nicht tun, könnt ihr sie durch richtiges Verhalten dazu veranlassen und der Situation gefahrenfrei entkommen.

Hinweis: Tierabwehrsprays können in Deutschland legal geführt werden. Sie dienen in Deutschland ausschließlich der Abwehr von aggressiven Tieren. In anderen deutschsprachigen Ländern sind die Gesetze abweichend.

Das Spray könnt ihr unter anderem HIER käuflich erwerben. Es handelt sich um einen externen Link, welcher ebenfalls ein Affiliate Link ist. Mit einem Kauf über diesen unterstütz ihr meine Arbeit und meine Abenteuer. Die Empfehlung dieses Sprays hat aber nichts mit kommerziellen Interessen zu tun, es ist eine ehrliche Empfehlung und ich nutze lediglich die Möglichkeiten, die mir Affiliate bietet. Es gibt auch noch stärkere Sprays, diese passen aber selten in die Tasche, haben ein 400 ml Gefäß und sind explizit für Bären gedacht. Bei einem europäischen Braunbären reicht aber definitiv das von mir hier empfohlene Spray.

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